Besucht am 30.03.2026Besuchszeit: Mittagessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 73 EUR
Den Osterurlaub verbrachten wir dieses Jahr in Franken. Der Playmobil-Funpark bei Zirndorf, der Tiergarten in Nürnberg und die Kalkfelsen der Fränkischen Schweiz boten bei bestem Frühlingswetter ein erlebnisreiches Programm, das uns einmal mehr die Erkenntnis brachte, dass man für einen abwechslungsreichen Familienurlaub die deutsche Staatsgrenze nicht unbedingt zu passieren braucht. Oder anders ausgedrückt: Deutschland hat so viele schöne Ecken, man muss nur hinfahren!
Auf der Fahrt zu unserer ersten Unterkunft, dem Kretschmannshof in Oberasbach-Rehdorf, legten wir einen vom Slowfood-Genussführer nicht unerheblich beeinflussten Halt in der mittelfränkischen Gemeinde Herrieden (südwestlich von Ansbach) ein.
Dort befindet sich im historischen Ortskern das von der Familie Christ betriebene Landhotel Zur Sonne, in dessen Restaurant Küchenchef Claus Christ eine auf frischen Produkten aus der Umgebung – die Lieferanten werden in der Karte explizit beim Namen genannt – basierende Regionalküche mit klarem Fleischbekenntnis auf die Teller bringt. Außenansicht
Seine Frau Sabine kümmert sich derweil auf sehr sympathische Art und Weise um das Wohl ihrer Gäste. Von ihr wurden wir in dem bereits in 5.Generation geführten, im Jahr 1863 eröffneten fränkischen Traditionsgasthof sehr freundlich in Empfang genommen. Zeitloses Ambiente im Inneren
Dass hier auch Kinder sehr willkommen sind, war bereits beim Betreten des liebevoll dekorierten Gastraumes klar. Frau Christ hatte es sich vor Ostern nicht nehmen lassen, eine ganze Hasenherde auf den Fenstersimsen, dem nostalgischen Kochofen in Raummitte und den mit Leinen überzogenen Tischen zu verteilen. Für kleine und große Entdecker begann ein witziges Suchspiel… Mittelfränkische Gastlichkeit
Wir saßen komfortabel auf einer gut gepolsterten Wandbank. Die Literaturbegeisterung der Inhaber spiegelte sich in einer ganzen Reihe von Büchern wider, die aufgestellt auf einer kleinen Leiste die ringsherum laufende Wandbank verzierten. Wäre ich alleine hier gesessen, hätte ich mir bestimmt John Strelecky’s „Café am Rande der Welt“ geschnappt und wäre auf Lebenssinnsuche gegangen.
So aber durchstöberte ich die zuvor gereichte Speisenkarte und ging auf kulinarische Entdeckungsreise. Unsere Kleine wurde von der Servicechefin mit Buntstiften, Papier und einer „magischen Maltafel“ ausgestattet, während meine Frau und ich neugierig das Speisenprogramm studierten. Bei dem um mediterrane und französische Einflüsse nicht verlegenen Angebot dominierte die fleischliche Kost. Nun ja, man is(s)t hier schließlich in Mittelfranken.
Die 0,7l-Flasche Teinacher Mineralwasser schlug mit fairen 5,90 Euro zu Buche. Die kleine Apfelschorle für das Töchterchen stand später mit 2,40 Euro auf der Rechnung. Mich dürstete es nach einem Schoppen Zirndorfer Kellerbier vom Fass. Ich wollte mich schließlich so schnell wie möglich an die wohlgehopften, „hellen“ Momente Frankens wagen. Und das süffige Zirndorfer sollte mir im Laufe unseres Osterurlaubs noch das ein oder andere Mal ausgeschenkt werden. Mein erstes Zirndorfer - und nicht mein Letztes!
Dem Wunsch unserer Kleinen nach Nudeln mit Tomatensoße (4,90 Euro) entsprach die Küche gerne. Claus Christ setzte dazu ein aromatisches, nach Knoblauch duftendes, rotes Sößchen an. Definitiv keine 08-15-Tunke aus der rot-gelben Tüte, sondern ein schmackhafter, in Anbetracht der relativ kurzen Zubereitungszeit absolut stimmiger Tomatensugo, der da die Linguine unserer Tochter veredelte. Tomatisiertes Kinderglück mit viel Aroma
Natürlich durfte sie bei der kräftigen Tafelspitzbrühe mit Leberspätzle (6,50 Euro), die ich mir als Vorspeise gönnte, auch mitlöffeln. Jene kam nicht gerade schüchtern portioniert in die stattliche Suppenschüssel. Ein vollmundiger, reiner Fleischgeschmack kennzeichnete die mit ein paar zusätzlichen Gemüsestreifen versehene Brühe, die mit ihrer großzügigen Leberspätzle-Einlage jeden Fleischsaftschlürfer glücklich gemacht hätte. Reichlich Einlage zum Auslöffeln!
Gut, dass mir meine Tochter etwas half, denn es wartete ja noch ein Zwiebelrostbraten mit Kroketten (27,80 Euro) als Hauptspeise auf mich. Den dazu gereichten Beilagensalat – ein pfiffig angemachter, knackfrischer Vertreter seiner Art – hatte ich schon vor der Suppe mit Genuss verputzt. Schmackhafte Blattbeilage
Meine Frau hatte sich für die „kulinarische Ursache“ meiner leckeren Suppe entschieden, was ihr eine tadellose Portion vom gekochten Tafelspitz mit Kartoffeln und frisch geriebenem Meerrettich (17,90 Euro) einbrachte. Die hatte sich noch einen kleinen Salatteller (3,30 Euro) extra dazu bestellt, was ihr in der Summe ganz schön zu schaffen machte, denn auch das Siedefleisch vom Rind kam als handfeste Portion auf den Teller.
Der Küchenchef hatte auch nicht den Fehler gemacht, das mürbe gekochte Fleisch seines Fettdeckels zu berauben, was das Fleisch umso saftiger und geschmackvoller machte, aber bei meiner Gattin nicht ganz so gut ankam. Aber da gehen die Meinungen ja bekanntlich auseinander. Und außerdem ließen sich die fettigen Abschnitte problemlos wegschneiden. Tafelspitz für Fortgeschrittene
Der Fleischklassiker kam mit etwas Brühe süffig unterfüttert aufs rechteckige Porzellan. Der frische Kren nahm dem Tafelspitz etwas die Schwere, bitzelte angenehm in der Nase und wertete so das Gericht auch sensorisch auf. In der Summe war das grundsolide, aus regionalen Produkten zubereitete Hausmannskost, die nach ehrlichem Küchenhandwerk schmeckte.
Meine mit zarter Schmelzzwiebelhaube servierte, respektable Scheibe vom Roastbeef kam mit ausreichend dunkler Sauce auf den Teller. Rotwein und Rinderfond verliehen der üppig angegossen Tunke ein kräftiges Rückgrat. Sechs Frittierfinger aus Krokettanien lieferten Feingepresstes von der mehligen Kartoffel in krosser Panierung. Solide Beikost aus der Tiefkühltruhe zum Aufsaugen des kulinarischen Saftwerks. Süffig, saftig, hausmannsköstlich!
Das nicht zu dick aufgetragene Stück aus des Rindes Rücken fiel unverschämt zart aus. Angeblich kam jenes vom ortsansässigen Metzger, der wie Chefkoch Claus Christ sein Handwerk zu verstehen schien. Ob geschmort oder gebraten kann ich nicht mehr sagen, aber geschmacklich und texturell ließ dieses Prachtstück unterm Zwiebeltoupet keine Wünsche offen.
Gut gestärkt verließen wir dieses fränkische Vorzeigelokal mit der Sonne im Namen und machten danach noch im nahegelegenen Indoorspielplatz „Inplaysia“ (direkt an der A6) halt. Dem Töchterchen war nach Bewegung zumute. Ihre Eltern beschränkten sich dagegen eher aufs Verdauen.
Auf dem Weg ins Fränkische würde ich im Landhotel der Familie Christ jederzeit wieder eine Rast einlegen. Die familienfreundliche Art der Chefin, das überzeugende Preis-Leistungs-Verhältnis und nicht zuletzt die ehrliche, auf künstliche Aromen und Geschmacksverstärker verzichtende Hausmannsküche rechtfertigen eine Wiederholungstat. Vielleicht schon im kommenden Jahr.
Den Osterurlaub verbrachten wir dieses Jahr in Franken. Der Playmobil-Funpark bei Zirndorf, der Tiergarten in Nürnberg und die Kalkfelsen der Fränkischen Schweiz boten bei bestem Frühlingswetter ein erlebnisreiches Programm, das uns einmal mehr die Erkenntnis brachte, dass man für einen abwechslungsreichen Familienurlaub die deutsche Staatsgrenze nicht unbedingt zu passieren braucht. Oder anders ausgedrückt: Deutschland hat so viele schöne Ecken, man muss nur hinfahren!
Auf der Fahrt zu unserer ersten Unterkunft, dem Kretschmannshof in Oberasbach-Rehdorf, legten wir einen vom Slowfood-Genussführer nicht unerheblich... mehr lesen
Restaurant im Landhotel Zur Sonne
Restaurant im Landhotel Zur Sonne€-€€€Restaurant, Biergarten0982592460Vordere Gasse 5, 91567 Herrieden
4.0 stars -
"Ehrlich zubereitete, mittelfränkische Regionalküche bei familienfreundlichen Gastgebern" GourmägglerDen Osterurlaub verbrachten wir dieses Jahr in Franken. Der Playmobil-Funpark bei Zirndorf, der Tiergarten in Nürnberg und die Kalkfelsen der Fränkischen Schweiz boten bei bestem Frühlingswetter ein erlebnisreiches Programm, das uns einmal mehr die Erkenntnis brachte, dass man für einen abwechslungsreichen Familienurlaub die deutsche Staatsgrenze nicht unbedingt zu passieren braucht. Oder anders ausgedrückt: Deutschland hat so viele schöne Ecken, man muss nur hinfahren!
Auf der Fahrt zu unserer ersten Unterkunft, dem Kretschmannshof in Oberasbach-Rehdorf, legten wir einen vom Slowfood-Genussführer nicht unerheblich
Geschrieben am 02.10.2026 2026-10-02| Aktualisiert am
02.10.2026
Besucht am 19.03.2026Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 76 EUR
Die an der Ecke Uhland-Straße/Goethe-Straße gelegene Weststadt-Wirtschaft mit dem ungewöhnlichen Namen erfreut sich schon seit längerer Zeit einer großen Beliebtheit. Grund genug, um dort Mitte März zusammen mit einem befreundeten, guter Hausmannskost nicht abgeneigten Kollegen einmal aufzuschlagen.
Angeblich soll es hier die besten Maultaschen der Fächerstadt geben. Und auch das hier auf der Karte befindliche „Wantzenauer Hähnchen“ scheint bei den Gästen nach wie vor gut anzukommen. Davon konnten wir uns übrigens während unseres Besuches aus nächster Nähe überzeugen. Aber dazu später mehr.
1983 eröffneten Jürgen und Susanne Huber an Ort und Stelle ein Wirtshaus mit dem Namen „Eierhuber“. Der eigenwillige Name ging auf den Vater von Jürgen Huber zurück. Er unterhielt früher zusammen mit seiner Frau einen bekannten Marktstand für Eier, Butter und Käse. Nach dem Tod von Jürgen im Jahr 2012 übernahm seine Ehefrau Susanne die Leitung und änderte den Namen entsprechend ab. Fortan ging es dann halt zur „Eierhuberin“.
Seit 2024 wird das traditionsreiche Ecklokal von deren Tochter Melanie weitergeführt. Dabei ist es die Mischung aus familiärer Herzlichkeit, ehrlicher Hausmannskost und einer gemütlichen Wirtshausatmosphäre, die diese gutbürgerliche Karlsruher Institution so beliebt macht. Den größten Anteil daran trägt zweifellos die „symbadische“ Wirtin, die ihren Laden voll im Griff zu haben scheint. Ein gemütliches Eck...
Mit „Meli“ ist man schnell auf Du und Du. Viele Stammgäste schätzen diesen ungezwungenen Umgang. Ein Restaurant mit Kneipenflair und guter deutscher Küche funktioniert in der heutigen Zeit sogar besonders gut, ist diese gastronomische Gattung schließlich vom Aussterben bedroht. "Nur hier in der Kneipe fühl' ich mich frei..." (Marius Müller-Westernhagen)
Ich hatte zuvor angerufen und um einen Tisch für zwei Personen gebeten. Meli Huber gab am Telefon grünes Licht und wir machten uns mit den Öffentlichen auf den Weg in die Karlsruher Weststadt, die eine ordentliche Auswahl an empfehlenswerten Einkehradressen beheimatet.
Den Anruf hätte ich mir auch sparen können, da an jenem warmen Donnerstagabend im trubeligen Gastraum kein einziger Tisch mehr frei war. Ganz „pfalz-like“ fragten wir ein Pärchen, ob wir uns zu ihnen dazu setzen dürfen. Auf einen freien Tisch zu warten, zogen wir gar nicht erst in Betracht. Die gesellige Umgebung mit der Theke als kommunikativem Zentrum animierte uns, die Sache „offensiv“ anzugehen.
Außerdem hatten wir richtig Kohldampf und der wurde vom feinen Geruch nach deftigem Essen, der aus der hinter der Theke befindlichen Küche drang, noch verstärkt.
Mit den beiden jungen Leuten kamen wir schnell ins Gespräch. Sie kannten den Laden noch von früher und wussten die gutbürgerliche Küche in der „Huberin“ zu schätzen. Das „Wantzenauer Hähnchen“, das dem jungen Mann später serviert wurde, ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Da hatte ich jedoch schon meine Bestellung an die Frau gebracht. Vorweg hatte ich mir mit voller Absicht die „Goldenbergsuppe“ (7,50 Euro) eingebrockt. Die kam mit einer kleinen Maultasche, Markklößchen und einer Grießnocke als Einlagen an den Tisch. Echtes Sonntagssüpple
Ihre von ehrlichem Suppenhandwerk kündenden Fettaugen strahlten mich beim Weglöffeln verheißungsvoll an. Lange hatte ich keine so gute, frei von Helferlein gekochte Rindersuppe mehr zu mir nehmen dürfen. So gute Suppeneinlagen hat man selten
Ein vollmundiges Ausrufezeichen in Sachen Suppkultur. Bravo!
Fun-Fact für Biertrinker: bei der Eierhuberin wird frisch gezapftes Kölsch ausgeschenkt. Wir saßen noch nicht richtig, da bekamen wir schon die ersten beiden „Stangen“ aufs Haus gereicht und der kleine Faux-Pas mit der misslungenen Reservierung ließ sich „auf rheinische Art“ hinunterspülen. Aber auch das ein oder andere Pils (0,3l für 3,90 Euro) aus dem Hause Hatz-Moninger erfreute unsere durstigen Kehlen.
Mein Kollege hatte sich für das Entrecôte vom Grill mit Pommes und selbstgemachter Hollandaise (26,50 Euro) entschieden. Keine einfache Wahl, brachten doch Cordon Bleu vom Kalb, pikantes Rindergeschnetzeltes und das ganze Wantzenauer „Mischdkratzerle“ (= kleines Hähnchen) den eingefleischten Karnivoren in Entscheidungsnot.
Auch ich war hin- und hergerissen. Als „Meli“ beim Servieren der nächsten Kölschrunde den Zwiebelrostbraten mit Spätzle (28,50 Euro) als Tagesempfehlung erwähnte, loggte ich jenen in freudiger Erwartung ein.
Nach der gehaltvollen Suppengrundlage ging es nach etwas längerer Wartezeit – bei der hohen Auslastung des Lokals sollte man etwas Zeit einplanen – mit zwei stattlichen Fleischtellern weiter. Der Kollege bekam sein Entrecôte im gewünschten Gargrad „medium“ und mit einer anständigen Portion Pommes geliefert. Von der Qualität der schaumig aufgeschlagenen Hollandaise durfte ich mich selbst überzeugen. Saftig, saftig....
Aber auch das perfekt gebratene Zwischenrippenstück aus dem vorderen Rücken des Rindes – gilt bei vielen als das „Steak für Kenner“ – machte einen tollen Eindruck. Ein saftiges Kurzbratsteak mit Geschmack und Charakter! Mein Kollege war begeistert.
Mein Zwiebelrostbraten hätte auch in jeder Allgäuer Dorfwirtschaft eine gute Figur abgegeben. Ja, was für eine zarte, unter einem Berg von Schmorzwiebeln versteckte Tranche vom Rinderrücken war denn das bitteschön? Zarter Fleischgenuss mit großzügiger Zwiebelauflage
Ein Rostbraten wie aus dem Bilderbuch für deftige Wiener Fleischgerichte. Flankiert von subtil gebutterten Spätzle als Sättigungsgarantie und süffig unterfüttert von einer kräftigen, nach ehrlichem Ansatz schmeckenden Bratensauce, war das ein astreiner Wohlfühlteller für einen ausgehungerten Karnivoren. That's what I call a Roastbraten!
Danach wurden wir mit Obstler (wegen den unglücklichen Umständen in Bezug auf unsere Reservierung) und selbst angesetztem Eierlikör – der Name des Hauses war tatsächlich Programm – aufs Haus weiter übervorteilt. Man könnte auch sagen: abgefüllt. Aber was tut man nicht alles, um die Verdauung der zuvor servierten, fleischernen Ewigkeitswerte voranzubringen…
Der Abend bei „Meli“ hat uns richtig gut gefallen. Tolle Atmo, wunderbare Wirtshausküche und dazu noch zwei nette Leute kennengelernt. Mehr kann eine gutbürgerliche Einkehr doch gar nicht leisten. Apropos leisten: auch das Preis-Genuss-Verhältnis kann sich hier definitiv sehen lassen.
Die an der Ecke Uhland-Straße/Goethe-Straße gelegene Weststadt-Wirtschaft mit dem ungewöhnlichen Namen erfreut sich schon seit längerer Zeit einer großen Beliebtheit. Grund genug, um dort Mitte März zusammen mit einem befreundeten, guter Hausmannskost nicht abgeneigten Kollegen einmal aufzuschlagen.
Angeblich soll es hier die besten Maultaschen der Fächerstadt geben. Und auch das hier auf der Karte befindliche „Wantzenauer Hähnchen“ scheint bei den Gästen nach wie vor gut anzukommen. Davon konnten wir uns übrigens während unseres Besuches aus nächster Nähe überzeugen. Aber dazu... mehr lesen
4.0 stars -
"Symbadische Wirtshauskultur in der Karlsruher Weststadt" GourmägglerDie an der Ecke Uhland-Straße/Goethe-Straße gelegene Weststadt-Wirtschaft mit dem ungewöhnlichen Namen erfreut sich schon seit längerer Zeit einer großen Beliebtheit. Grund genug, um dort Mitte März zusammen mit einem befreundeten, guter Hausmannskost nicht abgeneigten Kollegen einmal aufzuschlagen.
Angeblich soll es hier die besten Maultaschen der Fächerstadt geben. Und auch das hier auf der Karte befindliche „Wantzenauer Hähnchen“ scheint bei den Gästen nach wie vor gut anzukommen. Davon konnten wir uns übrigens während unseres Besuches aus nächster Nähe überzeugen. Aber dazu
Geschrieben am 27.09.2026 2026-09-27| Aktualisiert am
27.09.2026
Besucht am 04.03.2026Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 40 EUR
Wer hinter dem – frei nach dem Lied der Popgruppe Trio Rio aus dem Jahr 1986 - gewählten Titel dieses auf mehreren Besuchen beruhenden Erfahrungsberichts eine aufsteigende Climax in Sachen Kulinarik vermutet, liegt komplett falsch. Und doch haben diese drei Metropolen eines gemeinsam: man kann sich dort – sofern einem der Sinn danach steht – asiatische Fusionsküche einverleiben.
Gut, in New York und Rio ist das bestimmt schon eine ganze Weile so und die Auswahl an panasiatischen Lokalen ist dort sicherlich riesig. In Hagenbach dagegen ist diese kulinarische Option noch recht neu. Kurz vor Weihnachten 2025 eröffnete das Restaurant Tokyo Tower in den seit Jahren verwaisten Räumlichkeiten des ehemaligen Landgasthauses der Familie Stober. Früher ein beliebtes Landgasthaus - heute ein solides Asia-Lokal
Dort wo einst Gisela (Service) und Hans-Peter Stober (Küche) jahrelang ihre Gäste mit einer – um mediterrane Einflüsse nicht verlegenen – gutbürgerlichen Frischeküche verwöhnten, wird heute neben dem üblichen, in Reisrollen verpackten „Meeresgezücht“ eine (mittlerweile viel zu häufig angebotene) europäisierte Quer-Durch-Asien-Küche ohne großen Wiedererkennungswert aufgetischt.
So weit, so erwartbar. Und dennoch liegt Hagenbach nur ein paar Kilometer von meinem Heimatort Wörth entfernt und da ich nie das Vergnügen hatte, im Stober’schen Landrestaurant einzukehren, fuhr ich Anfang März spontan mit dem Rad dort hin, um mir von dem „neuen“ Gastrokonzept im früheren „Hagenbacher Hof“ selbst ein Bild zu machen. Die gastronomischen Spuren der Vergangenheit sind heute noch sichtbar... Der ehemalige "Hagenbacher Hof" im Asia-Gewand
Der erste Eindruck war durchweg positiv. Der Empfang fiel asiatisch freundlich aus. In dem mit reichlich Holz rustikalisierten, mit bequemem Sitzmobiliar ausgestatteten Gastraum ging es erfreulich kitschbefreit zu. Viel Platz im Inneren
Herr Quy van Nguyen – „in Vietnam ist dieser Nachname so häufig anzutreffen wie bei uns Müller oder Meier“ (Zitat) – betreibt das Restaurant zusammen mit seiner Familie. Auch der Sohnemann hilft tatkräftig mit.
Der nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms erbaute, rotweiße Namenspate des Lokals stellt zwar den Bezug zum angebotenen Sushi her, führt aber – was die Herkunft der Betreiber angeht – in die Irre. Keine Ahnung, warum man bei der Benennung des Restaurants dem Wahrzeichen von Tokio gegenüber dem „Landmark 81“ in Ho-Chi-Minh-Stadt (immerhin das sechzehnthöchste Hochhaus der Welt und das höchste Gebäude Vietnams) den Vorzug gegeben hat. Wahrscheinlich wegen dessen Bekanntheitsgrades…
Die Kommunikation mit den jungen Servicekräften gestaltet sich manchmal nicht ganz so einfach, da die Deutschkenntnisse der Bedienungen doch recht limitiert sind. Das führte schon mehrfach zu Missverständnissen. Ein Kollege, der hier einen Aperol Spritz bestellte, war doch einigermaßen verwundert über sein „Alkohol Pils“, das man ihm liefern wollte.
Als ich bei meinem letzten Besuch den jungen Servicemann fragte, welche Special Roll er mir denn empfehlen könne, zuckte dieser nur mit den Schultern und sagte er habe keine Ahnung. Wahrscheinlich hat er meine Frage gar nicht verstanden. Aber mit solchen Kleinigkeiten sollte man als Gast gelassen umgehen, denn die freundlichen Vietnamesen tun es ja auch.
Ein den Currynudeln mit Hühnerfleisch, Garnelen, Gemüse und Ei stets zugeneigter Saarbrücker „Linh-Guist“ hatte einst die Worte „Don´t loose your sense of humor. It helps you through difficult situations“ auf seinem Glückskeks stehen. Wer diesen Rat befolgt, wird auch mit dem etwas verpeilten Service im „Tokyo Tower“ locker zurechtkommen.
Und irgendwie bekommt man nach der Durchsicht der überdimensioniert wirkenden Speisenkarte dann doch seine Wünsche an einen der jungen Leute aus Südostasien übermittelt. Es ist ja auch alles hübsch durchnummeriert.
Mit einer großen Flasche Mineralwasser (0,75l für 6,50 Euro) wurde der durch das Radfahren entstandene Flüssigkeitsverlust mehr als kompensiert. Dann machten – nach angenehmer Wartezeit – drei Garnelen in Panko-Panierung zusammen mit einer süß-sauren Dipsauce (4,90 Euro) den knusprigen und gar nicht mal so fettigen Auftakt. Knusper-Garnelen
Damit sie sich auf der hellen Holzplatte nicht ganz so alleine fühlten, wurden sie von zwei aufgeschnittenen, vietnamesischen Frühlingsrollen („Nem Hanoi“ für 4,90 Euro) begleitet. Solides Fingerfutter zum Dippen
Mit gutem Hunger und noch besserem Appetit verspeiste ich das knusprig heiße Fingerfood. In die mitgelieferten Saucen getunkt, mundeten mir diese einfachen Asia-Snacks ganz ausgezeichnet. Besonders die mit Hackfleisch, Glasnudeln, kleingeschnittenen Morcheln und Gemüse gefüllten, in krosses Reispapier gepackten Frühlingsrollen machten Laune.
Als Hauptgang genehmigte ich mir einen als „Mien Tron“ bezeichneten, lauwarmen Glasnudelsalat mit Garnelen, Erdnüssen, Röstzwiebeln, gewoktem Gemüse und frischem Koriander (17,90 Euro). Hagenbacher Glasnudel-Allerlei
Den hätte es auch – wie bei allen anderen Hauptgerichten – wahlweise mit Tofu, Hühnerbrust, Rindfleisch, gebackener Hühnerbrust, krosser Ente oder gegrilltem Lachs gegeben. Das in asiatischen Lokalen so beliebte Durchdeklinieren der Hauptspeisen wird auch im Tokyo Tower gerne praktiziert.
Der Glasnudelsalat erfüllte die an ihn gestellten Anforderungen mit vegetabiler Leichtigkeit. Ein angenehm süß-säuerliches Dressing, eine nicht gerade homöopathische Garnelen-Dosis und ganz viel Knack und Crunch im Beifang. Nach so viel bissfester Frische waren selbst die gebackenen Bananen (5,90 Euro) zum Nachtisch ein wohltuender Ausgleich in Sachen mürber Textur. Heiße Bananenbällchen
Und einem echten „Tower-Esser“ wie mir konnten die sechs panierten Bananen-Nuggets nicht das Geringste anhaben…
Bei einer späteren Einkehr testete ich dann doch mal das Sushi. Ich orderte die Crunchy Tuna Roll in der kleineren Variante (eine in 6 Stücke zerteilte Rolle für 9,90 Euro) als Vorspeise. Ah jetzt ja...eine Insel ;-)
Keine Ahnung, was das Plastik-Bäumchen auf der Schieferplatte zu suchen hatte, aber es stimmte mich irgendwie melancholisch, musste ich doch an das traurige „Fake Plastic Trees“ der britischen Ausnahmeband Radiohead denken. Aber für meine Assoziationen können die Leute in der Küche ja nichts. Nun, ich hätte die etwas billig wirkende Teller-Deko trotzdem nicht gebraucht.
Genauso wenig wie den Saucen-Overkill auf meiner frittierten, mit Lachs, Avocado, Gurke und Frischkäse gefüllten Sushi-Rolle, die ansonsten von ordentlicher Machart war. Zum Hauptgang hatte ich bei diesem Besuch die gebratenen Reisbandnudeln, zu denen ich mir als Topping die gebratene Entenbrust (17,90 Euro) ausgesucht hatte, gewählt. Bekannter Asia-Klassiker
Auch dieser, durchaus sättigende Teller bot solide Asiakost. Das Entenfleisch fiel nicht zu trocken aus und die „Tokyo-Tagliatelle“ kam auch nicht übergart auf die Keramik. Kann man so machen bzw. essen.
Als ich vor ein paar Monaten an einem lauen Sommerabend den Weg ins Hagenbacher Industriegebiet fand, waren es die knackig frischen, mit einer süßlichen Erdnuss-Sauce servierten Sommerrollen (5,90 Euro), die mich vorweg am meisten ansprachen. Schmecken nicht nur im Sommer, diese Rollen!
Und da eine Vorspeise ja bekanntlich keine ist, ließ ich mir noch vier im Bambuskörbchen servierte, gedämpfte Garnelen-Dumplings (5,90 Euro) kommen. Har Gow aus dem Dampf
Mit dem darauffolgenden, aus acht Stücken einer Inside-Out-Roll, drei Nigiri und sechs „Crunchies“ bestehenden Fukada Set (19,90 Euro) zum Hauptgang hatte ich mich mengenmäßig dann doch etwas übernommen, Für das Fukada Set braucht es einen guten Hunger...
zumal man die Crunchy Roll mal wieder gnadenlos „zugesoßt“ hatte. Mein Fehler, ich hatte der Bedienung vergessen zu sagen, dass im „Roll-House“ kein „Saucen-Rocker“ sitzt. ...und eine Vorliebe für Saucen aus der Quetschflasche
Aber mehrere Versuche machen ja bekanntlich noch klüger. Und so durfte ich vor ein paar Tagen nach dem Verzehr der Tokyo Tower Vorspeisenplatte (15,90 Euro), die vor Edamame, Dumplings, Frühlingsrollen und Wantans nur so strotzte, Mit allem und knusprig! Die reich gefüllte Vorspeisenplatte
das wohl beste – da komplett soßenfreie – Sushi genießen, das ich bisher hier vorgesetzt bekommen habe. Tuna Special Roll - Ohne!
Es handelte sich um eine mit Avocado umwickelte Inside-Out-Roll, deren Innenleben sich aus Thunfischtatar, Gurke, Avocado und Frischkäse zusammensetzte und in der Karte unter dem Namen Tuna Special Roll (15,90 Euro) firmierte. Die Sushi-Achtel ließ ich der Reihe nach in einer mit Wasabipaste geschärften Soja-Sauce baden, um meinem Rohfischerlebnis zum Lunch noch etwas mehr Nachdruck am Gaumen zu verleihen.
Fazit:
Die verlässliche oder besser gesagt: vorhersehbare Asia-Fusion des „Tokyo Towers“ wartet auf ein risikoscheues Publikum von Redundanzessern, zu denen – zugegebenermaßen – auch ich manchmal zähle.
Das Restaurant ist von Wörth aus schnell zu erreichen und es gibt dank des großen Parkplatzes direkt neben dem Haus kein Problem mit dem Abstellen des Wagens. Trotz der rustikalen Einrichtung möchte sich im großräumigen Speisesaal keine rechte Gemütlichkeit einstellen. Jedoch sitzt man auf den bequemen Polsterstühlen sehr komfortabel.
Der Service kann mit der Qualität des Essens leider nicht ganz mithalten. Nur mit vietnamesischer Freundlichkeit wird man die Gäste auf Dauer nicht zufriedenstellen können. Man sollte auch miteinander kommunizieren können (Stichwort: Sprachkenntnisse!) und etwas mehr Ahnung von dem haben, was man seinen Gästen vorsetzt.
Die Preise sind auf unauffälligem Normalniveau. Nicht wirklich günstig, aber auch nicht überzogen. Mit rund 40 Euro ist man hier pro Person (inkl. Getränk) dabei. Ein Tipp für Nachahmer: die Sauce(n) zum Sushi im Vorfeld abbestellen, falls man etwas von den akkurat gerollten Reishäppchen schmecken möchte.
Wer hinter dem – frei nach dem Lied der Popgruppe Trio Rio aus dem Jahr 1986 - gewählten Titel dieses auf mehreren Besuchen beruhenden Erfahrungsberichts eine aufsteigende Climax in Sachen Kulinarik vermutet, liegt komplett falsch. Und doch haben diese drei Metropolen eines gemeinsam: man kann sich dort – sofern einem der Sinn danach steht – asiatische Fusionsküche einverleiben.
Gut, in New York und Rio ist das bestimmt schon eine ganze Weile so und die Auswahl an panasiatischen Lokalen ist dort sicherlich... mehr lesen
Tokyo Tower | Sushi & More
Tokyo Tower | Sushi & More€-€€€Restaurant01638105458Industriestraße 24a, 76767 Hagenbach
3.0 stars -
"New York – Rio – Hagenbach" GourmägglerWer hinter dem – frei nach dem Lied der Popgruppe Trio Rio aus dem Jahr 1986 - gewählten Titel dieses auf mehreren Besuchen beruhenden Erfahrungsberichts eine aufsteigende Climax in Sachen Kulinarik vermutet, liegt komplett falsch. Und doch haben diese drei Metropolen eines gemeinsam: man kann sich dort – sofern einem der Sinn danach steht – asiatische Fusionsküche einverleiben.
Gut, in New York und Rio ist das bestimmt schon eine ganze Weile so und die Auswahl an panasiatischen Lokalen ist dort sicherlich
Geschrieben am 20.09.2026 2026-09-20| Aktualisiert am
26.09.2026
Besucht am 27.02.2026Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 50 EUR
Rechts des Rheins – da tat sich was. Kevin Wilde, ehemaliger Chefkoch der alteingesessenen Karlsruher Feinspeise-Institution „Nagels Kranz“, hat dort nach 10 Jahren seine Schürze an den „Kranz’schen Nagel“ gehängt und in der gehobeneren Gastrolandschaft der Fächerstadt eine Lücke gerissen. Das war Anfang 2025.
Im Mai 2025 hat der talentierte Koch dann sein gastronomisches Comeback auf der Insel Rott gefeiert. In dem nordwestlich von Linkenheim-Hochstetten gelegenen Naherholungsgebiet in unmittelbarer Rheinnähe betreibt er nun seit eineinhalb Jahren das LETL, in dem – so das im eigenwilligen Namen abgekürzte Motto des Ladens – gerne gelebt, gegessen, getrunken und gelacht werden soll. Gutes Motto!
Statt lauwarmem Label-Rouge-Lachs mit Wasabijoghurt, Avocado und Ponzu gibt es nun Lachssteak mit Pasta an Tomatensahnesauce. Das Kalbsfilet mit sautiertem Spinat und Trüffeljus wurde von einem Kalbsgeschnetzelten in Sherry-Rahmsauce abgelöst. Die französisch inspirierte Gourmetküche ist einem gutbürgerlich geprägten „Alles-was-schmeckt-Programm“ gewichen. Herr Wilde wollte es wohl – auch auf dem Teller – etwas einfacher haben.
Dass der Mann, der in der Sylter Sansibar in die Lehre ging, sehr gut kochen kann, hat er über 10 Jahre lang in seinem Neureuter Lokal bewiesen. Da stellte sich mir die Frage, wie sich die neue kulinarische Ausrichtung auf dem Teller darstellt. Eine ausgedehnte Radtour brachte mich Ende Februar nicht ganz zufällig auf die inmitten einer idyllischen Auenlandschaft gelegene Insel Rott. Altrhein-Romantik pur Die Insel Rott - ein Ort der Entschleunigung
Es war noch nicht viel los in dem mit wertigem Mobiliar im Bistrostil eingerichteten Lokal. Gastraum im Bistrostil
Der Boden hell gefliest, die Beleuchtung stimmungsvoll und der Blick nach draußen aufs Altrheingewässer angenehm entschleunigend. Kurzum: das LETL machte sowohl einen sehr gepflegten als auch sehr entspannten Eindruck. Gepflegtes Ambiente
Mein saftloses Handy durfte ich gerne vorne an der Theke aufladen. Man besorgte mir sogar noch ein Ladekabel. Wäre ja auch wirklich schade gewesen, die servierten Gerichte nicht ablichten zu können…
Eine junge, noch etwas unsicher wirkende Bedienung reichte mir das bewusst reduziert gehaltene Speisenangebot, das auf eine DIN-A4-Seite passte. Wer frisch kochen möchte und die Küche so ziemlich im Alleingang wuppen muss, dem bleibt im Grunde gar keine andere Wahl.
Ich zählte sieben Vorspeisen, darunter etliche Klassiker wie beispielsweise Vitello Tonnato, Rindercarpaccio und Rinderkraftbrühe mit Gemüse und Flädle. Auf die fleischlos eingestellte Klientel warteten marinierte Rote Bete mit Ziegenkäse an Romanasalat und gebackene Aubergine mit Sesamcrème, Salatherzen und Granatapfel.
Meinen Lieblingssalat vom Feld hatte man auch im Repertoire. Feines vom Feld
Dieser kam vom Bauer Leicht aus dem nahegelegenen Eggenstein-Leopoldshafen und wurde ganz klassisch mit Speck und Croutons auf den Teller gebracht. Für 9 Euro eine mehr als anständige Portion, mit der ich mir genussvoll den ersten Hunger vertrieb. Das schmackige Joghurt-Dressing, mit dem der vor Frische strotzende Feldsalat angemacht war, bekommt an dieser Stelle ein besonderes Lob.
Den Durst des Radfahrers stillte derweil eine Flasche Mineralwasser der Marke Teinacher (0,5l für 4,50 Euro). Ein halber Liter vom naturtrüben Kräusen aus dem Hause Hoepfner (4,50 Euro) sollte bald folgen. Die „trockenen“ Wintermonate Januar und Februar gingen schließlich ihrem Ende zu.
Als Hauptgang machte das Kalbsgeschnetzelte in Sherryrahmsauce mit Spätzle vom Brett (23,50 Euro) das Rennen. Obwohl man mir den Fisch des Tages mit Fregola Sarda, Tomaten und Zucchini auch ohne Olive serviert hätte. Sauerbraten, Rumpsteak, Schnitzel und Schweinemedaillons standen als verlässliche Fleischgaranten ebenfalls auf der Karte. Mit Kartoffelrösti an gebratenem Gemüse und einer mit Couscous gefüllten Paprika hatte man auch „Fleischloses“ zum Hauptgang gelistet.
Für das Geschnetzelte hatte Kevin Wilde ein saftiges Kalbsschnitzel kurzgebraten, in mehr oder minder große Streifen geschnitten und mit kurz in der Pfanne sautierten, braunen Champignons veredelt. Saftig, süffig, spätzlig!
Eine großzügig angegossene, fein abgeschmeckte Sherry-Rahmsauce und Spätzle wie bei Muttern komplettierten diesen Leib- und Seelenteller, der mir sehr gut schmeckte. Sauber vom Brett geschabt......
Saftiges Kalbfleisch traf auf eine handwerklich souverän auf den Teller gebrachte Sauce, bei der auf Helferlein schmeckbar verzichtet wurde. Zusammen mit den fluffigen Teigwaren vom Brett schickte sie mich glücklich und zufrieden in Richtung Nachtisch, den ich mit einem Schoko-Brownie mit hausgemachtem Zimteis und eingekochten Beeren (9 Euro) verbrachte. Charlie Brownie mit Gefolge
Ein paar Extrakalorien für die abendliche Rückfahrt nach Wörth durften es an diesem Abend schon sein. Zumal der Schokokuchen schön saftig und das Zimteis für sich genommen schon großartig schmeckte.
Mir gefiel es hier übrigens so gut, dass ich ein paar Tage später nochmal zum Mittagessen dorthin radelte. Das Wetter war für Anfang März prächtig und der gebackene Kabeljau mit Pommes und Remoulade (20 Euro) konnte sich - nach einem weiteren Feldsalat - auch schmecken lassen. Gutes darf man auch zweimal essen...
Backfisch in Rheinnähe gelingt scheinbar nicht nur in Neupotz ganz vortrefflich. Gebackener Kabeljau geht auch am Altrhein immer
Schade nur, dass das LETL von Wörth aus mit dem Auto etwas umständlich zu erreichen ist. Da bietet es sich als kulinarisches Ausflugs- oder Etappenziel im Rahmen einer Radtour schon eher an. Seine friedvolle Lage direkt am Altrhein, sein auf frischen, qualitativ hochwertigen Produkten basierendes Speisenangebot und sein freundlich-zugewandter Service machen es zu einer empfehlenswerten Adresse am rechten Rheinufer. Das LETL abends
Und für den radelnden Pfälzer, der mit der Fähre von Leimersheim aus „rübermacht“, ist es geradezu ein Katzensprung…
Rechts des Rheins – da tat sich was. Kevin Wilde, ehemaliger Chefkoch der alteingesessenen Karlsruher Feinspeise-Institution „Nagels Kranz“, hat dort nach 10 Jahren seine Schürze an den „Kranz’schen Nagel“ gehängt und in der gehobeneren Gastrolandschaft der Fächerstadt eine Lücke gerissen. Das war Anfang 2025.
Im Mai 2025 hat der talentierte Koch dann sein gastronomisches Comeback auf der Insel Rott gefeiert. In dem nordwestlich von Linkenheim-Hochstetten gelegenen Naherholungsgebiet in unmittelbarer Rheinnähe betreibt er nun seit eineinhalb Jahren das LETL, in dem... mehr lesen
Das LETL
Das LETL€-€€€Restaurant07247 9533820Insel Rott 1, 76351 Linkenheim-Hochstetten
4.0 stars -
"Gutbürgerliche Inselbegabung mit Anspruch" GourmägglerRechts des Rheins – da tat sich was. Kevin Wilde, ehemaliger Chefkoch der alteingesessenen Karlsruher Feinspeise-Institution „Nagels Kranz“, hat dort nach 10 Jahren seine Schürze an den „Kranz’schen Nagel“ gehängt und in der gehobeneren Gastrolandschaft der Fächerstadt eine Lücke gerissen. Das war Anfang 2025.
Im Mai 2025 hat der talentierte Koch dann sein gastronomisches Comeback auf der Insel Rott gefeiert. In dem nordwestlich von Linkenheim-Hochstetten gelegenen Naherholungsgebiet in unmittelbarer Rheinnähe betreibt er nun seit eineinhalb Jahren das LETL, in dem
Geschrieben am 15.09.2026 2026-09-15| Aktualisiert am
15.09.2026
Besucht am 14.02.2026Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 179 EUR
Mitte Februar verbrachte ich zusammen mit meinen beiden Mädels ein Wochenende in Gengenbach im Schwarzwald. Für jemanden wie mich, der mit Fasching recht wenig am Hut bzw. an der Narrenkappe hat, hielt sich die Freude über die Tatsache, dass zu dieser Zeit viele Gengenbacher den Schalk im Nacken hatten und ihre schwäbisch-alemannische „Fasend“ feierten, doch einigermaßen in Grenzen. Aber für das Töchterlein waren die im Ort herumschwadronierenden „Hexen“ natürlich eine lustige Abwechslung zum winterlichen Kita-Alltag.
Für den Samstagabend hatte ich für uns drei einen Tisch im etwas außerhalb von Gengenbach gelegenen, schon lange auf meiner kulinarischen Agenda stehenden Ponyhof Stammhaus der Familie Wussler reserviert. Es war Valentinstag und der sollte im Kreise meiner beiden Liebsten gebührend gefeiert werden. Auf dem Weg vom Parkplatz ins kulinarische Glück...
An die Stelle von Rosen und Pralinen trat eine Einladung zu einem feinen Abendessen in trauter Dreisamkeit. Und so viel sei verraten: bei dem, was uns die „Ponyhöflinge“ an jenem Abend an Leckereien auftischten, war das nicht die allerschlechteste Idee.
Auch dem jüngsten Familienmitglied gefiel es hier auf Anhieb, was in erster Linie an der entspannt-lockeren Art der jungen Servicekräfte lag, die auch mit kleinen Gästen sehr gut können. Oder es waren vielleicht die mit süßen Schaum- und Gelatineprodukten gefüllten Gläser auf dem Tisch direkt neben dem Eingang, die ihr das Lokal auf Anhieb sympathisch machten. Das stattliche Anwesen
Der Ponyhof tauchte vor rund 10 Jahren auf der kulinarischen Genießerkarte der Region auf und ist seitdem im Guide Michelin fest etabliert. Aus der ehemaligen Waldgaststätte mit Schnitzel, Kegelbahn und Kutschfahrten – daher rührt auch der Name – ist seit der Rückkehr der „Wussler-Brothers“ in den elterlichen Betrieb eine mit reichlich Ideen und Ambitionen ausgestattete Adresse für Freunde einer weltoffen vorgetragenen Regionalküche mit kreativem Twist geworden.
Chefkoch Tobias Wussler bringt seit 2015 seine Vorstellung einer modernen, naturinspirierten „New Black Forest Cuisine“ auf die Teller, während Marco Wussler als fester Bestandteil des kulinarischen Teams die konzeptionellen Fäden im Hintergrund zieht.
Die zeitweilig parallel zum oben am Mattenhofweg beheimateten Stammhaus betriebene Dependance in der Gengenbacher Altstadt namens „Ponyhof Stadtmitte“ fiel leider der Corona-Pandemie zum Opfer, so dass sich die Familie Wussler – Vater Alois hilft in der Küche noch immer tatkräftig mit und Mutter Erika unterstützt das Serviceteam – mittlerweile wieder ganz auf ihr „Hauptgeschäft“ konzentrieren.
Mit dem Serviceleiter Marc, der uns sehr herzlich begrüßte und uns zu unserem in elegantes Weiß gehüllten Tisch führte, standen wir schnell auf Du und Du. Mich persönlich stört diese unkomplizierte Art des Umgangs zwischen Bedienung und Gast auch in einem feineren Restaurant nicht im Geringsten. Vorderer Gastraum
Aber wie man im Netz so nachliest, gibt es zur zwanglosen, ponyhof-typischen Duzerei auch andere Meinungen. Nun denn, wir fanden es jedenfalls authentisch, denn es passte zu dem jungen, lässigen Serviceprofi wie später die frische Limonenmayo zu den frittierten Calamari. Gediegene Tischkultur
Gemütliche Lichtverhältnisse (Tischlampe), bequeme Stühle, auf Hochglanz poliertes Besteck in doppelter Ausführung, zeitlose Kristallgläser mit Relief, hübsch gefaltete Stoffservietten und – es war ja schließlich der Tag der Liebenden – zwei in einer Vase steckende Rosen bestimmten den Mikrokosmos auf und neben unserem geschmackvoll eingedeckten Tisch. Der große Gastraum
Es war noch nicht allzu viel los, da wir wegen unseres Töchterleins so früh wie möglich reserviert hatten. Aber es sollte nicht lange dauern, dass sich der langgezogene, von raumtrennenden Elementen unterbrochene Gastraum füllte. Gemütlich-schickes Ambiente
Zur behutsam eingesetzten, winterlich geprägten Deko gesellten sich weiße Orchideen. Das Flackern dicker Kerzen ließ die primär in Weiß (Decke) und Grau (Wände) gehaltene Speisestätte noch etwas heimeliger wirken. An einer indirekt beleuchteten Wand „schwammen“ Fische um die Wette. Und auch das für den Schwarzwald so typische Bollenhut-Mädchen war an der Stirnwand als Foto großformatig vertreten. Der große Gastraum
Es gab hier also einiges zu sehen.
Und zu futtern erst. Wir waren ganz angetan vom abwechslungsreichen Speisenangebot, das trotz klarem Regionalbekenntnis liebenswert weltoffen daherkam. Originell klingende Vorspeisen (wie z.B. Ceviche, fermentierte Pommes, Puntarelle an Trüffelvinaigrette, Rote Beete mit Räucheraal) und bodenständige Fleisch-Specials (Cordon Bleu, Fasan, Kalbsrücken, Rinderfilet) buhlten um die Gunst des Gastes. Jakobsmuscheln und Wolfsbarsch sowie ein heiteres Ensemble aus Urkarotte, Steinpilzen und Fregola Sarda hielt man für Fleischverzichter bereit.
Zusätzlich bestand die Option auf ein drei- oder viergängiges Menü mit Gerichten aus der Karte. Mit dem dreigängigen, lustig bepreisten Valentinstag-Menü (70,70 Euro) hatte man sogar noch eine weitere Gaumenreise in petto, die mir wie gerufen erschien.
Der Inhalt der Flasche Vöslauer Mineralwasser (0,75l für 6,90 Euro) prickelte bald in unseren Kristallgläsern, was mich jedoch nicht davon abhielt, noch einen Belsazar Spritz (9,90 Euro) – einen frischen Wermut-Cocktail – als Aperitif zu genießen. Ein Belsazar-Spritz zum Aperitif
Das Töchterchen begnügte sich (wie so häufig) mit einer kleinen Apfelschorle (0,2l für 2,90 Euro).
Die Küche grüßte mit einem selbstgebackenen, lauwarmen Dinkel-Roggen-Sauerteig-Datschi, der mit seinem cremig-saftigen Belag ein erstes kulinarisches Ausrufezeichen setzte und unseren Hunger – zumindest fürs Erste – ein wenig entschärfte. Auf einem fein abgeschmeckten Sauerrahm-Fundament hatten es sich Tomaten, Thymian, ein paar Blüten und frische Kräuter gemütlich gemacht. Dinkel-Roggen-Sauerteig-Datschi als Gruß aus der Küche
Eine Prise Meersalz, ein paar Spritzer Zitrone und aromatisches Olivenöl zogen die „Gaumenschrauben“ mächtig an. Sein knusprig-leichter Boden ließ auf ein profundes Teigverständnis schließen. Die „Herren der Gehzeiten“ konnten also auch richtig gut backen. Absolut stabile Performance wie die Jugend von heute sagen würde.
Mein Valentinstag-Menü startete mit einem formidablen Feldsalat mit sehr gutem (!) Speck und krossen Butter-Croutons, in dessen schmackige Vinaigrette ich mich hätte reinlegen können. Rapunzel in Hochform
Kein Tropfen dieses wohlaustarierten Dressingtraums sollte der Saugkraft der mitgelieferten Brotscheiben entgehen! Keine Frage, so ein köstlich angemachter Feldsalat ist schon was Feines. Auch wenn mir die Entscheidung schwerfiel, da ich mich auch gerne für das Ceviche vom Färöer-Lachs mit Ingwer, Chili und Joghurt vorweg entschieden hätte.
Meine ansonsten à-la-Carte orientierte Gattin hatte sich für das mündlich am Tisch empfohlene Kalbsbries (24,50 Euro) als Vorspeise entschieden und damit einen saisonalen Volltreffer gelandet. Das "Pierre Bries" unter den Vorspeisen
Geröstete Flower Sprouts (= wilder Rosenkohl) und konfierter Topinambur – der auch in Form von Chips den Teller texturell aufwertete – setzten sich mit der zarten Innerei ins beste Benehmen.
Die dazu angegossene tiefgründige Kalbsjus wurde mit etwas Butterschaum veredelt und ließ zusammen mit einem Hauch Vanille und etwas Trüffelwürze meine Frau im siebten Saucenhimmel schwelgen. Zur Anregung ihrer Papillen hatte sie die ein oder andere Gänseschnabel-Chili als scharfen Beifang auf dem Teller zu verkraften. Aber das ging bei dieser Vorspeise auch voll(mundig) in Ordnung, da sich die einzelnen Komponenten zu vollkommen schlüssigen Geschmacksharmonien zusammenfügten.
Zeitgleich wurden uns die frittierten Calamari mit Limonenmayo (18,80 Euro), die ich als zusätzliche Vorspeise zum Teilen geordert hatte, serviert. Maritime Knusperringe
Fingerfood vom Feinsten. To share meant to care! Geschmacklich und texturell mehr als acht Tintenfischarme weit entfernt von der üblichen TK-Gummi-Ware, die beim Allerweltsgriechen um die Ecke aus der Fritteuse wandert. Limonen-Mayo...hmmm
Und auch für einen nur gelegentlich dem cremig-säuerlichen Ruf der Mayonnaise erliegenden Meeresfrüchtedipper (wie mich) war das ein knusprig-mediterraner Snack, der durchaus Suchtpotenzial hatte.
Unser Töchterchen tat sich derweil an einer großzügig bemessenen Portion Pommes Frites mit Ketchup (6,20 Euro) gütlich. Pommes satt
Apropos Großzügigkeit: diese sympathische Eigenschaft der Familie Wussler sollte bei unseren Hauptgerichten erst so richtig zum Vorschein kommen.
Mein exzellent gebratenes Stück aus dem Rücken des Kalbs wurde mit Steinpilzrahmsauce und handgeschabten Spätzle serviert. So ein Kalbsrücken kann schon entzücken!
Letztere kamen à part in einer Schüssel und es waren nicht gerade wenige. Fluffige Teigwaren schwäbischer Provenienz
Damit auch ja alle am Tisch etwas von der mit reichlich Schnittlauch versehenen, cremigen Steinpilzrahmsauce hatten, wurde auch hier noch einmal kräftig die „Soßentrommel“ gerührt und uns eine zusätzliche Schüssel davon spendiert. Großzügige Steinpilzsaucenspende
Was soll ich sagen? Das Fleisch war eine Wucht. Extrem saftig und von sehr guter Qualität. Für eingefleischte Kalbversteher
Die dazu gereichte Schwabenpasta hatte eine beachtliche Spätzel-Größe vorzuweisen. So lange Dinger hatte ich wahrscheinlich noch nie auf dem Teller. Zusammen mit der Sauce und den aromatischen Steinpilzen genossen, war das ein hausmannsköstliches Unterfangen der gehaltvollen Art.
Dazu durfte es dann auch ein Gläschen Rotwein (0,1l für 8,70 Euro) aus dem nicht weit entfernten Markgräflerland sein. In der eleganten, im Barrique ausgebauten Cuvée Calmo vereinte der badische Winzer Martin Wassmer aus Bad Krozingen-Schlatt die Rebsorten Syrah, Merlot, Cabernet Sauvignon und St. Laurent zu einer würzig-samtigen Infarktbremse der Extraklasse. Dieser rote Schmeichler schmeckte auch meiner – zumindest beim Hauptgang – vegetarisch gesinnten Gattin.
Beim Teller voller Wintergemüse (30,50 Euro), für den sie sich entschieden hatte, spielten wieder Flower Sprouts und Topinambur die Hauptrollen. Gerade im Winter ist Gemüse so wichtig!
Zusammengehalten von einer gerösteten Sellerie-Crème und aufgelockert von einer leichten Kräutersauce war das ein mit gutem Gespür für sich ergänzende Aromen erdachter, abwechslungsreich gestalteter Veggie-Teller, der meiner Herzensdame sichtlich Freude bereitete. Dass man ihr dazu noch zwei knusprig-zarte Kartoffel-Mandel-Bällchen als Beilage kredenzte, war fast schon des Guten zu viel. Feine Mandelbällchen
Mit dunkler Schokolade in kreisrunder Pony-Optik, eingelegten Kirschen und einem traumhaften Zimteis wurde der süße Abschluss meines Drei-Gang-Menüs mehr oder weniger gerecht durch Drei geteilt. Schoko mit Kirsche und Zimteis - ein runder Abschluss!
Wobei die Kleinste am Tisch selbstverständlich den größten Teil davon für sich beanspruchte. Aber das kam mir ganz gelegen, da nach Feldsalat, Calamari, Pommes, Kalbsrückensteak und Spätzle nicht mehr allzu viel ging.
Gut, die mit einer mir leider nicht mehr geläufigen Füllung versehenen Lollis mit dunkler Kuvertüre und gepufftem Amaranth, die uns zur Verabschiedung spendiert wurden, passten dann doch noch irgendwie rein… Abschiedslollis
Nach zwei genussvoll-entspannten Stunden verließen wir hochzufrieden und um rund 180 Euro erleichtert dieses liebenswerte Restaurant, in dem wir uns sehr gut aufgehoben fühlten. Der familienfreundliche, stets zugewandte Service, das gediegene, aber nicht steife Ambiente und die großzügig portionierte, bestbürgerliche Leib- und Seelenküche aus guten Produkten sind die großen Pluspunkte dieses Lokals, das sich nicht nur die Tester vom Michelin gerne in der direkten Nachbarschaft wünschen würden.
Wer den gastronomischen Beweis dafür sucht, dass Liebe durch den Magen geht, wird im Ponyhof Stammhaus der Familie Wussler garantiert fündig. Und das nicht nur am Valentinstag.
Mitte Februar verbrachte ich zusammen mit meinen beiden Mädels ein Wochenende in Gengenbach im Schwarzwald. Für jemanden wie mich, der mit Fasching recht wenig am Hut bzw. an der Narrenkappe hat, hielt sich die Freude über die Tatsache, dass zu dieser Zeit viele Gengenbacher den Schalk im Nacken hatten und ihre schwäbisch-alemannische „Fasend“ feierten, doch einigermaßen in Grenzen. Aber für das Töchterlein waren die im Ort herumschwadronierenden „Hexen“ natürlich eine lustige Abwechslung zum winterlichen Kita-Alltag.
Für den Samstagabend hatte ich für... mehr lesen
5.0 stars -
"Wo die Liebe durch den Magen geht" GourmägglerMitte Februar verbrachte ich zusammen mit meinen beiden Mädels ein Wochenende in Gengenbach im Schwarzwald. Für jemanden wie mich, der mit Fasching recht wenig am Hut bzw. an der Narrenkappe hat, hielt sich die Freude über die Tatsache, dass zu dieser Zeit viele Gengenbacher den Schalk im Nacken hatten und ihre schwäbisch-alemannische „Fasend“ feierten, doch einigermaßen in Grenzen. Aber für das Töchterlein waren die im Ort herumschwadronierenden „Hexen“ natürlich eine lustige Abwechslung zum winterlichen Kita-Alltag.
Für den Samstagabend hatte ich für
Geschrieben am 29.08.2026 2026-08-29| Aktualisiert am
31.08.2026
Besucht am 13.02.2026Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 102 EUR
Mitte Februar verbrachten wir ein Wochenende in der ehemaligen Reichsstadt Gengenbach im Schwarzwald. Wir wohnten im Schwarzwaldhotel, von wo aus wir schnell – die Brücke über die Kinzig befand sich in unmittelbarer Hotelnähe – in die historische Altstadt gelangten.
Es regnete fürchterlich an diesem Freitagabend und wir waren froh als wir das aus dem 13.Jahrhundert stammende Kinzigtor, in dessen Turm sich das Wehrgeschichtliche Museum der Gengenbacher Bürgergarde befindet, passiert hatten und wir das nur ein paar Schritte davon entfernte, von Anna und Fabrizio Annoscia im Jahr 2018 eröffnete Ristorante erreichten.
Schon von außen machte das modern eingerichtete Lokal mit der hohen Glasfront einen einladenden Eindruck. Hell schlägt das apulische Herz im Zentrum von Gengenbach...
Unser kurz zuvor telefonisch erfragter Tisch befand sich gleich rechts neben der Eingangstür. Der Empfang durch die beiden Herren vom Service – einer von ihnen war der Inhaber – fiel sehr freundlich aus.
Die apulische Gastfreundschaft habe ich vor 10 Jahren zusammen mit meinem Vater auf einer erlebnisreichen Urlaubsreise kennen und schätzen gelernt. Umso mehr freute ich mich auf die hier in diversen Varianten angebotenen „Öhrchen-Nudeln“, die berühmten Orecchiette.
Ein Kinderstuhl für das Töchterchen wurde schnell und zuvorkommend herbeigeschafft. Die bereits auf den Tischen liegenden Platzsets waren aus dickerem Papier und durften – sehr zur Freude unserer Kleinen – angemalt werden. Die Tafel mit den Empfehlungen bzw. Spezialitäten des Hauses lockte mit apulischer Pasta und gegrilltem Oktopus.
Eine kleine Apfelschorle (0,2l für 3,50 Euro), eine große Flasche Mineralwasser (0,75l für 6 Euro) und eine Flasche 2022er Barbera d’Alba (32 Euro) von der für seine Barolo-Weine bekannten Kellerei Beni di Batasiolo aus dem Piemont sollten unseren Flüssigkeitsbedarf an diesem Abend problemlos decken. Der samtweiche Vino zur Pasta
Den „roten Rest“ nahmen wir später gut verkorkt mit zurück ins Hotel. Er wurde ein paar Tage darauf in der heimischen Pfalz mit Freude ausgetrunken.
Wir stöberten im umfangreichen Pizza- und Pastaprogramm, das mit bekannten italienischen Klassikern und apulischen Spezialitäten reich gefüllt war. Orecchiette und Cavatelli, zwei traditionsreiche Pastasorten aus dem Süden Italiens wurden variantenreich angeboten. Handfeste Vespereien wie etwa die Frisella Pugliese, eine Art „Strammer Max“ auf apulisch, oder der gegrillte Caciocavallo-Käse mit Steinpilzen und frischen Trüffel verhießen kulinarische Heimatliebe.
Den Ciccio, eine fluffige, pizzaähnliche Fladenspezialität, deren Teig aus Kartoffelmehl hergestellt wird, kannte ich noch nicht. Anders als bei der herkömmlichen italienischen Rundbackware wird er erst nach dem Backen mit den Belagszutaten veredelt. Ciccio Piccante zum Teilen vorweg
Das mit scharfer Spianata Calabrese (Salami), Provolonekäse, Tomaten und scharfem Öl verfeinerte Apulien-Gebäck trug die Aufschrift „Piccante“ (14,50 Euro) und stellte unsere Vorspeise zum Teilen dar. Pikanter Auftakt der apulischen Art
Antipasti oder Antipizza, das war hier die kulinarische Frage. Geschmacklich und optisch eine runde Sache und als erster, veritabler Sattmacher für absolut tauglich befunden, genossen wir dieses deftig belegte, bereits vorgeschnittene Pizza-Brot à la Puglia. Für das Töchterchen lieferte man zeitgleich eine Portion Orecchiette mit Tomatensoße und extra viel Parmesankäse (10 Euro). Kein Wunder, dass sie bei diesem Anblick bis über beide „Öhrchen“ grinste. Kinderteller mit Glücksgarantie
Der gleiche, mit Liebe gekochte Tomatensugo umspielte auch meine Orecchiette Cisternino (19,50 Euro), die von zwei kleinen apulischen Rinderrouladen, den Brasciole, gekrönt waren. Die Rouladen-Pasta
Die mit ordentlich Knoblauch gefüllten Schmorbälle hätten ruhig ein wenig heißer auf dem Teller landen dürfen. Geschmacklich gingen sie in Ordnung, texturell war aufgrund ihrer geringen Temperatur sicherlich noch Luft nach oben. Auch hätten sie für meinen Gaumen etwas weniger knoblauchlastig ausfallen dürfen. Dagegen fiel die „Öhrchen-Pasta“ tadellos aus. Jene hatten noch leichten Biss und ließen sich mit der fruchtig-aromatischen Soße bedenkenlos weglöffeln. „Tu ma lieber die Öhrchen, Mama!“ (frei nach Helge Schneider).
Die von cremiger Kürbissauce und herzhafter Salsiccia umgebenen Orecchiette Monopoli (16,90 Euro), für die sich meine Frau entschieden hatte, bescherten ihr einen harmonisch runden Nudelteller, dessen leichte Süße (Kürbis) von der gut gewürzten Salsiccia aufgepeppt wurde und dabei am Gaumen für Abwechslung sorgte. Kürbis meets Salsiccia - perché no?
Es muss ja schließlich nicht immer Bolognese, Carbonara oder Arrabiata sein, um im italienischen Nudelglück zu schwelgen.
Im Cuore di Puglia kann man das bei freundlichen Gastgebern sogar auf eine angenehm apulische Art und Weise tun. Das Angebot ist reichhaltig und die Preise bewegen sich auf Normalniveau. Mit einer nicht ganz so hellen Beleuchtung würde der schlicht-modern eingerichtete Gastraum sicherlich noch etwas an Gemütlichkeit gewinnen. Aber dennoch: wer im Herzen von Gengenbach nach ein paar süditalienischen Momenten auf dem Teller sucht, wird hier definitiv fündig. Schöne Entdeckung!
Mitte Februar verbrachten wir ein Wochenende in der ehemaligen Reichsstadt Gengenbach im Schwarzwald. Wir wohnten im Schwarzwaldhotel, von wo aus wir schnell – die Brücke über die Kinzig befand sich in unmittelbarer Hotelnähe – in die historische Altstadt gelangten.
Es regnete fürchterlich an diesem Freitagabend und wir waren froh als wir das aus dem 13.Jahrhundert stammende Kinzigtor, in dessen Turm sich das Wehrgeschichtliche Museum der Gengenbacher Bürgergarde befindet, passiert hatten und wir das nur ein paar Schritte davon entfernte, von... mehr lesen
Ristorante Cuore di Puglia
Ristorante Cuore di Puglia€-€€€Restaurant078039286503Hauptstraße 4, 77723 Gengenbach
4.0 stars -
"Familiäre Pastafreuden im apulischen Herz von Gengenbach" GourmägglerMitte Februar verbrachten wir ein Wochenende in der ehemaligen Reichsstadt Gengenbach im Schwarzwald. Wir wohnten im Schwarzwaldhotel, von wo aus wir schnell – die Brücke über die Kinzig befand sich in unmittelbarer Hotelnähe – in die historische Altstadt gelangten.
Es regnete fürchterlich an diesem Freitagabend und wir waren froh als wir das aus dem 13.Jahrhundert stammende Kinzigtor, in dessen Turm sich das Wehrgeschichtliche Museum der Gengenbacher Bürgergarde befindet, passiert hatten und wir das nur ein paar Schritte davon entfernte, von
Geschrieben am 15.08.2026 2026-08-15| Aktualisiert am
16.08.2026
Besucht am 29.01.2026Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 227 EUR
Unser Wörther Gaumenquintett kam aufgrund unterschiedlichster terminlicher Zwänge für längere Zeit nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. Da fuhren wir an einem Donnerstagabend Ende Januar eben nur zu dritt nach Kandel, wo im Restaurant des Hotels „Zum Riesen“ ein reservierter Tisch auf uns wartete.
Küchenchef Andreas Wenz wird mittlerweile am Herd von seinem Sohn Robin tatkräftig unterstützt, was das Niveau der gehobenen, mit reichlich internationalen Einflüssen gesegneten Regionalküche meiner Meinung nach sogar noch etwas nach oben geschraubt hat.
Um es vorweg zu nehmen: es war ein besonders genussvoller Abend, den wir in dem geradlinig-modern eingerichteten Gastraum der Familie Wenz erleben durften und die knapp 230 Euro, die am Ende auf der Gesamtrechnung standen, waren mehr als gerechtfertigt.
Dass man in Kandels kulinarischer Vorzeigeadresse ein paar Tage im Voraus reservieren sollte, ist wenig überraschend. Die wenigen Tische sind in Anbetracht der hier für gutes Geld kredenzten Kreationen auch unter der Woche schnell ausgebucht. Man hat sich in den letzten Jahren einen guten Namen erkocht, was der hohe Gästezuspruch (auch aus der Region!) eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Wir stellten das Auto nur ein paar Schritte entfernt auf dem hoteleigenen Parkplatz ab, überquerten die Kandeler Hauptstraße und wurden vom gut aufgelegten Serviceleiter Tilo Schiefer, der auch an diesem Abend seinen Job mit der richtigen Mischung aus kompetenter Beratung, zugewandter Freundlichkeit und humorvoller Kommunikation am Tisch mit Bravour erledigte, auf sympathische Weise in Empfang genommen.
Man platzierte uns gleich rechts am ersten Tisch in dem rund 40 Personen Platz bietenden Gastraum, dessen Inneres ein gediegen-zeitgemäßes Flair ausstrahlt. Genügend Platz zwischen den Tischen, komfortable Sitzgelegenheiten, mit dem richtigen Gespür ausgesuchte, dezente Deko, ein paar großformatige Farbakzente an den Wänden und geschickt ausgewählte, raumtrennende Elemente sorgten für eine sehr angenehme Umgebung. Hinsetzen, zurücklehnen und wohlfühlen – genauso hatten wir uns das vorgestellt.
Mit einem fruchtigen Aperol-Spritz (8,50 Euro), einem aromatischen Pernod (6,50 Euro) und einem gut gekühlten Tannenzäpfle Pils aus der Flasche (0,33l für 4 Euro) gelang der flüssige Aufgalopp nach Maß. Die Flasche Bad Camberger Taunusquelle (0,75l für 6,50 Euro) zur inneren „Verdünnung“ durfte da selbstverständlich nicht fehlen.
Beim Studieren des angenehm überschaubaren, aber dennoch äußerst abwechslungsreichen Speisezettels – vier Vorspeisen und 3 Hauptgerichte hielt man à la Carte parat – blieb ich bei dem in drei, vier, fünf oder sechs Gängen angebotenen „Extrazeit-Menü“ für den etwas anspruchsvolleren Gaumen hängen.
Ich buchte vier Gänge (85 Euro), um später nach dem 3.Gang das Dessert höflichst abzubestellen, da es einfach nicht mehr reinpasste. Dass man deshalb (ohne es zu erwähnen) einfach 10 Euro vom Menü-Preis subtrahierte, spricht auch für die gastfreundliche Attitüde der Familie Wenz.
Einer der beiden Kollegen wagte sich in einem Anflug kulinarischer Neugierde (und er ist wahrlich kein Fleischverzichter!) an das in drei Gängen servierte, vegane Menü (49 Euro), während es der Dritte im Bunde zunächst mit einem winterlichen Blattsalat mit gebackenem Ziegenkäse, gerösteten Nüssen und Trockenfrüchten (19 Euro) aufnahm, um dann mit dem Rumpsteak vom Angusrind mit Trüffelbutter, Marktgemüse und Kartoffelgratin (36 Euro) genüsslich einen Gang höher zu schalten.
Mit einem unglaublich schmackigen Gruß aus der Küche löffelten wir freudig dem ersten Gang entgegen. Amuse Bouche mit ganz viel Schmackes!
Die kleine Umami-Bombe aus köstlich abgeschmecktem Kalbsragout, das von getrüffeltem Kartoffelschaum und etwas Parmesancrumble getoppt wurde, schlug mit reichlich „Überschmeck“ ein. Papillenanregendes Soulfood, das ganz ausgezeichnet in die kalte Jahreszeit passte. Davon hätte nicht nur ich ein weiteres Gläschen mit Freude ausgelöffelt. Aber es ging ja erst los…
In meinem Fall mit einer intensiv nach Krustentier schmeckenden Hummerbisque, deren unglaublich dichtes Aroma mir sofort in die Nase stieg. Das leicht aufgeschäumte, aus Karkassen gezogene Süppchen beamte mich bereits beim ersten Löffel gedanklich an den Vieux Port von Marseille. Feines Krustentierkonzentrat
Die kleine, darin schwimmende Zugabe, eine Jakobsmuschel von ordentlicher Größe, veredelte die mit etwas Orangenkaramell verfeinerte, jodig-süßliche Meeresterrine. Ein perfekt abgeschmeckter, maritimer Einstieg, der ein erstes kulinarisches Ausrufezeichen setzte und mich glücklich in Richtung Wolfsbarsch entließ.
Auch der auf veganer Entdeckungsreise befindliche Kollege durfte sich an einem aromatischen Süppchen erfreuen. Kürbiscrème trifft Falafel
Zu seiner mit Kokosmilch verfeinerten Crèmesuppe vom Butternutkürbis hatten sich zwei ganz famose Blumenkohl-Falafel-Bällchen hinzugesellt. Der Teilzeit-Veganer zeigte sich von seiner asiatisch angehauchten Löffelspeise sichtlich begeistert.
Der einzige à-la-Carte-Esser am Tisch verputzte derweil munter sein in eine essbare Salatschale gestecktes Blattgrün, das nicht nur sehr schmackhaft angemacht war, sondern auch mit karamellisierten Nüssen, roten Zwiebeln, Cherry-Tomaten und Popcorn texturell einiges an Abwechslung bot. Auch am gebackenen, mit Datteln belegten Ziegenkäse gab es nichts zu meckern. Starker Auftakt in Grün
Nach einer kleinen Verschnaufpause – die einzelnen Gänge wurden in einem sehr angenehmen Zeitrahmen mit wohldosierten „Breaks“ serviert – ging es zumindest bei den beiden Menü-Essern zur nächsten Gaumen-Etappe. Während sich mein Kollege an einem bunten Salatteller mit gerösteten Nüssen und Trockenfrüchten erfrischte, Buntes Blattwerk hübsch inszeniert
ging es bei mir mit Ikejime-Wolfsbarsch auf Safran-Graupen-Risotto weiter.
Der Fischteller geriet zum ersten echten Hingucker. Von einem sanften Dashi-Schaum sternförmig umgeben, thronte das ultrasaftige Wolfsbarschfilet (Ikejime-Methode) auf einem Bett aus sämigem Safran-Graupen-Risotto. Das auf den Punkt gegarte Fleisch des Meeresbewohners war von zwei dünnen, kreisrunden Scheiben Safran-Aspik umrahmt. Genialer Fischteller!
Der auch im Risotto den Aromen-Ton angebende Safran verlieh dem tollen Fischgang eine subtile, angenehm erdige Würze, die sich mit dem Wolfsbarsch ins beste Benehmen setzte. Ein paar Körner vom gepufften Reis lieferten ein wenig Crunch, während der Dashi-Schaum für noch mehr Meeresrauschen auf der Zunge sorgte. Ein ganz großartiger Zwischengang, der den kulinarischen Anspruch und das handwerkliche Können der „Wenz-Buben“ auch optisch sehr gelungen auf die Platte brachte.
Zu meinem im Hauptgang annoncierten Rehrücken aus dem nahen Bienwald brauchte ich dringend etwas vollmundiges Rotes im Glas. Ich entschied mich für die Cuvée Pallas vom Pfälzer Weingut Mathis aus Klingenmünster (0,2l für 8,50 Euro). Diese aus den Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah vinifizierte, im Holzfass ausgebaute Rotweincuvée punktete mit kräftiger Fruchtfülle und rundgeschliffenen Tanninen. Zur „wilden“ Gaumenreise durch den Bienwald genau die richtige Wahl.
Serviceleiter Tilo Schiefer servierte mir dann einen Rehteller, wie ich ihn nie und nimmer erwartet hätte. Allein vom Aussehen her geriet dieser Wild-Gang schnell unter „Sterne-Verdacht“. Auf diesen formidablen Rehteller ein dreifaches "Wenzmanns Heil!"
Die einzelnen, harmonisch ineinandergreifenden Elemente, wurden von ihm am Tisch fachkundig erläutert. Zu den auf den Punkt geratenen, großzügig portionierten Stücken vom Regional-Reh gesellten sich geschmorte Dörr-Pflaume, Shiitake- sowie weiße Buchenpilze, Brom- und Heidelbeeren, knackig gedämpftes Wintergemüse (Romanesco, Kohlrabi, Karotte und Sellerie), hausgemachte Schupfnudeln und ein seidiges Topinambur-Püree. Das Bienwald-Reh: eine Augen- und Gaumenweide...
Mit einer von langem Einköcheln und profundem Saucenhandwerk kündenden Rotwein-Wacholder-Jus wurde der kulinarische Winterspaziergang süffig unterfüttert. Das ergab in der Summe einen aufwendig in Szene gesetzten Teller raffiniertester Bodenständigkeit, den ich in vollen Zügen genoss.
Eine kluge Kombination aus lokalen Produkten, den „Schätzen“ der unmittelbaren Umgebung, die mit hoher kulinarischer Handwerkskunst einherging. Für einen Pfälzer Landgasthof war dieses Bienwald-Reh jedenfalls ein richtiges Brett. Chapeau, Messieurs Wenz!
Nicht minder begeistert zeigte sich der seinen veganen Hauptgang feiernde Kollege zu meiner Linken. Veganer Teller von Format: die Steinpilz-Kartoffel-Ravioli
Ihn hatte man mit Steinpilz-Kartoffel-Ravioli an Pastinaken-Crème und Marktgemüse (Blumenkohl, Kohlrabi) beglückt und das Ganze mit einer gnadenlos gut abgeschmeckten Sauce aus Reissahne, gerösteten Pilzen und Nüssen in höhere Umami-Sphären montiert. Für meinen Gaumenbuddy war das schlicht und ergreifend die beste vegane Sauce seines Lebens.
Kaum ausgesprochen hatte er schon eine Saucière mit Nachschlag neben seinem Teller stehen. Und auch von der tiefgründigen Wacholder-Jus „stibitzte“ mir der mutige Servicechef eine ansehnliche Extraportion aus der Wenz’schen Saucenschmiede. Wir dankten es ihm von Herzen.
Etwas frugaler sah der Teller des Redundanz-Rumpsteak’lers neben mir aus. Pfälzer Hausmannskost auf Top-Niveau
Aber auch der „Angus-Atze“ aus Wörth schien mit seiner Wahl überaus glücklich zu sein. Allein die Trüffelbutter und die angegossene Jus machten aus dem perfekt medium gebratenen Stück aus dem Rinderrücken ein wahres Festmahl für Fleischesser. Und dass man im „Riesen“ auch ein ganz feines, am Nachbarland orientiertes Kartoffelgratin auf die hübsche Keramik bekommt, muss eigentlich gar nicht erst erwähnt werden.
Nach den nicht gerade schüchtern portionierten Hauptspeisen mussten wir unserem fortgeschrittenen Sättigungsgrad Tribut zollen und geschlossen auf einen süßen Abschluss verzichten. So entging mir leider die geschmorte Feige mit Yuzu, Cassis und Sabayon und auch die ihrem Namen alle Ehre machende „Riesen“-Praline blieb diesmal gut gekühlt im Patisserie-Schrank.
Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an Andreas und Robin Wenz, die einen ganz hervorragenden Job in der Küche gemacht haben und uns aber mal so richtig glücklich und zufrieden nach Hause entließen.
Und nicht zuletzt natürlich an den Mann, der mit seiner charmant-humorvollen Art für einen sehr entspannten Abend sorgte. Mit Tilo Schiefer hat das Riesen-Team ein wahres Service-Ass im Ärmel. Beim Fußball würde man wohl von einem „Unterschiedsspieler“ sprechen.
Auch das unschlagbare Preis-Genuss-Verhältnis und das geschmackvoll gestaltete Interieur werfen letztlich die Frage auf, warum wir hier nicht öfter aufschlagen. Zumal Kandel nur ein paar Autominuten von Wörth entfernt liegt. Die einfache Antwort darauf kann nur lauten: das müssen wir dringend ändern!
Unser Wörther Gaumenquintett kam aufgrund unterschiedlichster terminlicher Zwänge für längere Zeit nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. Da fuhren wir an einem Donnerstagabend Ende Januar eben nur zu dritt nach Kandel, wo im Restaurant des Hotels „Zum Riesen“ ein reservierter Tisch auf uns wartete.
Küchenchef Andreas Wenz wird mittlerweile am Herd von seinem Sohn Robin tatkräftig unterstützt, was das Niveau der gehobenen, mit reichlich internationalen Einflüssen gesegneten Regionalküche meiner Meinung nach sogar noch etwas nach oben geschraubt hat.
Um es vorweg... mehr lesen
Restaurant im Hotel zum Riesen
Restaurant im Hotel zum Riesen€-€€€Restaurant, Weinstube072753437Rheinstraße 54, 76870 Kandel
5.0 stars -
"So eine genussvolle Extrazeit wie bei Familie Wenz sollte man sich viel öfter gönnen!" GourmägglerUnser Wörther Gaumenquintett kam aufgrund unterschiedlichster terminlicher Zwänge für längere Zeit nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. Da fuhren wir an einem Donnerstagabend Ende Januar eben nur zu dritt nach Kandel, wo im Restaurant des Hotels „Zum Riesen“ ein reservierter Tisch auf uns wartete.
Küchenchef Andreas Wenz wird mittlerweile am Herd von seinem Sohn Robin tatkräftig unterstützt, was das Niveau der gehobenen, mit reichlich internationalen Einflüssen gesegneten Regionalküche meiner Meinung nach sogar noch etwas nach oben geschraubt hat.
Um es vorweg
Geschrieben am 08.08.2026 2026-08-08| Aktualisiert am
08.08.2026
Besucht am 06.02.2026Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 33 EUR
Lange schon hatte ich die in der Karlsruher Waldstraße seit Mitte Dezember 2019 beheimatete Min Ramen Bar auf meiner kulinarischen Agenda. Das von der Inhaberin Hong Minh Nguy geführte, auf Nudelsuppen, Bowls und Asia-Tapas spezialisierte Lokal scheint prächtig zu laufen. Inzwischen betreibt das Team auch Filialen in Heidelberg und Mannheim.
Aufgrund seiner Beliebtheit schlugen gleich mehrere Versuche fehl, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Anfang Februar hatte ich dann endlich Glück. Angeheizt vom brühwarmen Bremer Nudelsuppen-Erlebnis im „Tampopo“ ein paar Wochen zuvor, gelüstete es mich an einem Freitagmittag zur besten Lunch-Time nach japanischem Seelenfutter aus der Schlürfschüssel.
Ein kurzer Anruf sicherte mir doch tatsächlich einen Platz in dem von außen eher unscheinbar wirkenden Ramen-Restaurant. Von außen eher unscheinbar
Ehrlich gesagt bin ich zunächst daran vorbeigelaufen und Google schickte mich wieder retour. Wer nicht gezielt nach dem Laden sucht oder bereits weiß, wo es sich befindet, dem wird es wahrscheinlich ähnlich gehen.
Drinnen erwartete mich eine lebendige, angenehm pulsierende Atmosphäre, die ein völlig anderes Bild (im Vergleich zur äußeren Erscheinung) bot. Hier herrschte Leben, was jedoch nicht (allzu sehr) auf Kosten der Gemütlichkeit ging. Lebendiges, aber nicht unangenehmes Ambiente
Die teilweise im unverputzten Stil verkleideten Wände, die eher sparsame Beleuchtung, der abgenutzt wirkende, helle Holzboden und die rustikalen Holzbalken an der Decke (aber auch als raumtrennende Elemente) schufen eine entspannte Atmosphäre, die lediglich von den dicht nebeneinander platzierten Bistro-Tischen etwas „eingeengt“ wurde.
Von meinem Platz an der Wand hatte ich einen guten Blick in den Gastraum bzw. auf sein munteres Innenleben. Was die Leute links und rechts neben mir sprachen und aßen, bekam ich quasi „on top“ dazu geliefert. Kann ja auch manchmal ganz interessant sein…
Auch an jenem Freitagmittag war die Min Ramen Bar wirklich gut frequentiert und die beiden jungen Servicekräfte hatten alle Hände voll zu tun. Manchmal dauerte es ein wenig bis sie den Weg an meinen Tisch fanden, aber in Anbetracht der Auslastung ging das voll in Ordnung. Im Gespräch gab man sich zugewandt und hilfsbereit. Auf den persönlichen Schärfegeschmack wurde bei der Auswahl der Speisen gerne eingegangen.
Ich orderte ein Fläschchen Mineralwasser der Marke Peterstaler (0,5l für 4,90 Euro) für den Durst und durchstöberte in aller Ruhe das nicht überfordernde Speisenprogramm. Die Seite mit den in den Größen M („medium“) und L („large“) angebotenen Nudelsuppen auf Miso-, Shoyu- und Tonkotsu-Basis ließ ich links liegen und entschied mich für die Tantanmen Ramen in der Größe „M“ mit Tempura-Garnele (14,50 Euro).
Dabei handelt es sich sozusagen um die Antwort Japans auf die chinesischen Dan-Dan-Nudeln. Auf eine cremig-würzige Sesam-Brühe mit angebratenem Hühnerhack, Chili-Öl, Pakchoi und dem charakteristischen Szechuan-Schärfekick hatte ich so richtig Lust. Und gegen ein knuspriges „Add-on“ (Tempura-Garnele) hatte ich auch nichts einzuwenden.
Vorweg durfte es ruhig ein wenig „kara-agierter“ zur Sache gehen. Sechs doppelt frittierte, knusprige Hähnchenstücke mit japanischer Mayo und Wakame („Chicken Kara-age“, 6 Euro) bestimmten zusammen mit zwei Süßkartoffelkroketten (5 Euro) das gar nicht mal so fettig ausfallende Vorspeisenprogramm. Samtig-krosse Süßkartoffelkroketten
Die beiden Kleingerichte wurden zusammen serviert. Kross frittiertes Fingerfutter, das mir den grauen Februar-Freitag erhellte. Die milden, leicht süßlichen Kroketten bildeten dabei einen schönen Gegenpol zu den herzhaft knusprigen Hähnchen-Nuggets, deren Panierung eine angenehme Textur hatte und die mit saftigem Fleisch punkteten. Chicken Kara-age für Freunde des Fingerfutterns
Am Nebentisch ließ man sich die Takoyaki (Oktopusbällchen) schmecken. Die sahen auch klasse aus und sind für den nächsten Besuch bereits vorgemerkt.
Gut, dass ich die Nudelsuppe in der kleineren Größe geordert hatte, denn meine beiden Appetizer aus der Fritteuse entließen mich gut vorgesättigt in Richtung Hauptspeise. Tantanmen-Ramen mit Knuspergarnele
Wie schrieb einst mein leider auf diesem Portal verstummter Vor-Rezensent aus dem nördlichen Schwarzwald über seine Kara Miso Ramen: „Die Schärfe war auf den Punkt, der Magen wurde angenehm gewärmt, ohne dass die Nase über Gebühr tropfte…“.
Ähnlich erging es auch mir. Die Brühe wärmte von Innen, während knackiger Pakchoi, frische Frühlingszwiebel, scharf gewürztes Hühnerhack und noch leicht bissfeste Nudeln um die Gunst ihres „Schlürf-Verweigerers“ buhlten. Aromatischer Winterwärmer
Gerösteter Sesam und Chili-Öl steuerten nussig-milde und leicht feurige Akzente bei. Ich löffelte hemmungslos aus dem Trüben. Die à Part gelieferte Garnele in Knusperhülle stippte ich in eine gut abgeschmeckte Wasabi-Mayo und war dankbar über die geschmackliche und texturelle Abwechslung.
An die aromatische Würze der Tantanmen-Brühe könnte ich mich glatt gewöhnen. Sie bildete die Basis für eine vollmundige Nudelsuppe, deren herzhaft-cremige Grundstruktur die frischen und scharfen Einlagen zu einem harmonischen Geschmacksbild zusammenfügte. Gut auch, dass die eher neutralen Nudeln das kräftige Umami der Brühe etwas abmilderten. Asia-Pasta in trüber Glücksbrühe
Ich war zwar noch nie in Japan, aber anscheinend soll es in der Min Ramen Bar ziemlich authentisch zugehen (wenn man den Worten eines kulinarischen Japan-Kenners auf einem anderen Portal Glauben schenken darf). Die Kombination aus lebendiger Atmosphäre und winterlichem Suppenglück hat mir jedenfalls sehr gut gefallen.
Auch der stets freundliche, sympathisch agierende Service gehört zu den großen Pluspunkten dieses beliebten Asia-Lokals. Und nicht zuletzt die hier in die Schüssel gebrachte Ramen-Qualität, die das Restaurant zu etwas Besonderem macht. Die formidablen Nudelsuppen stellen hier zweifellos das kulinarische Aushängeschild dar und erklären die vielen positiven Rückmeldungen im Netz.
Wer also mal in Karlsruhe auf der Suche nach einer glücklich machenden Ramen-Suppe ist, der sollte (nicht wie ich) an der unscheinbaren Min Ramen Bar vorbeigehen, sondern unbedingt hineingehen! Ohne Reservierung wird es allerdings schwer, einen der begehrten Plätze zu ergattern.
Lange schon hatte ich die in der Karlsruher Waldstraße seit Mitte Dezember 2019 beheimatete Min Ramen Bar auf meiner kulinarischen Agenda. Das von der Inhaberin Hong Minh Nguy geführte, auf Nudelsuppen, Bowls und Asia-Tapas spezialisierte Lokal scheint prächtig zu laufen. Inzwischen betreibt das Team auch Filialen in Heidelberg und Mannheim.
Aufgrund seiner Beliebtheit schlugen gleich mehrere Versuche fehl, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Anfang Februar hatte ich dann endlich Glück. Angeheizt vom brühwarmen Bremer Nudelsuppen-Erlebnis im „Tampopo“ ein paar... mehr lesen
Min Ramen Bar
Min Ramen Bar€-€€€Restaurant0721 14597578Waldstraße 19, 76133 Karlsruhe
4.0 stars -
"Fernköstliches Ramenprogramm mit freundlichen Grüßen aus der Fritteuse" GourmägglerLange schon hatte ich die in der Karlsruher Waldstraße seit Mitte Dezember 2019 beheimatete Min Ramen Bar auf meiner kulinarischen Agenda. Das von der Inhaberin Hong Minh Nguy geführte, auf Nudelsuppen, Bowls und Asia-Tapas spezialisierte Lokal scheint prächtig zu laufen. Inzwischen betreibt das Team auch Filialen in Heidelberg und Mannheim.
Aufgrund seiner Beliebtheit schlugen gleich mehrere Versuche fehl, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Anfang Februar hatte ich dann endlich Glück. Angeheizt vom brühwarmen Bremer Nudelsuppen-Erlebnis im „Tampopo“ ein paar
Geschrieben am 04.08.2026 2026-08-04| Aktualisiert am
04.08.2026
Besucht am 08.01.2026Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 163 EUR
Zu Beginn des Jahres schlug ich zusammen mit zwei kulinarischen Komplizen bei Familie Kreger im Ortskern von Neupotz auf. Wir drei hatten einfach mal wieder Lust auf die feine Regionalkost, die im Gasthof Zum Lamm seit vielen Jahren verlässlich aufs Porzellan gebracht wird.
Hier findet man noch eine auf guten Produkten basierende Heimatküche vor, die zur Pfälzer Gastlichkeit passt, ohne ihren bodenständigen Charakter zu verbiegen, aber auch mediterrane und asiatische Akzente behutsam miteinbezieht.
Vor 32 Jahren (!) haben Ulrike (Service) und Manfred Kreger (Küche) den elterlichen Betrieb übernommen und ihn seitdem als beliebte Adresse für ambitioniert vorgetragene Hausmannskost in der Südpfalz etabliert. Die raffiniert zubereiteten und ansprechend angerichteten Speisen locken jedoch nicht nur Fischliebhaber in das seit Jahren mit einem Bib Gourmand ausgezeichnete Lokal.
Auch wegen einem guten Stück Fleisch oder der ein oder anderen mediterran anmutenden Vorspeise lohnt der Weg in das ehemalige Fischerdorf Neupotz, das beschaulich an einer Altrheinschleife liegt und von Feldern und urwüchsigem Auenwald umgeben ist. Außerdem ist der Ort schnell über die Bundesstraße B9 zu erreichen.
Die mittlerweile etwas modernisiert auftretende Gaststube – Teppichboden raus, bequeme Polsterstühle rein – hat ihren gutbürgerlichen Charme bewahrt. Und das, obwohl selbst die früher komplett unter weißem Leinen versteckten Tische inzwischen der Vergangenheit angehören. Die altehrwürdige Gaststube mit neuen Akzenten
Die nostalgische Kassettendecke und das leicht angestaubte Design der Rückenpolster der einmal ringsherum führenden Wandbänke, lassen jedoch keine Zweifel zu: wir befinden uns immer noch in einer gepflegten Dorfwirtschaft, in der nach guter alter Gasthaus-Sitte aufgetischt und gespeist wird.
Der Tatsache, dass man dazu die Preise an das heutige Niveau anpassen musste, wird wohl jeder, der in der einfachen Prozentrechnung zumindest rudimentär bewandert ist, mit Verständnis begegnen.
Aber es wundert einen schon, wenn sich Gelegenheitsrezensenten über einen Rumpsteak-Preis von knapp über 30 Euro echauffieren und einen mit Speck, Croutons und frischen Champignons veredelten Feldsalat an Kartoffeldressing für 13,50 Euro als maßlos überteuert bezeichnen.
Dass sich so ein Betrieb bei den dramatisch gestiegenen Energie-, Produkt- und Personalkosten auch im Jahr 2026 irgendwie tragen muss und die fleißigen Gastronomen für ihre harte Arbeit auch einen Gegenwert erhalten sollen, wird bei solchen „Rechnungen“ häufig außen vor gelassen. Wer aber bereit ist, für gutes Essen den ein oder anderen Euro mehr zu investieren, der ist bei Familie Kreger definitiv gut aufgehoben.
Nach einem freundlichen Empfang durch die Chefin, ließ man uns in aller Ruhe das Speisenprogramm studieren. Trotz seiner Kompaktheit stellte es mich auch dieses Mal vor die Qual der Wahl. Sechs Vorspeisen, vier Fischteller, fünf Fleischgerichte und zweimal vegetarisch listete das durchweg ansprechende Standardrepertoire. Ergänzt von ein paar saisonalen Empfehlungen.
Eine Flasche Wasser (0,75l Bellaris Classic für 6,20 Euro) und zwei frisch gezapfte Bellheimer Lord-Pils (0,4l für 4,90 Euro) ließen keine trockenen Verhältnisse am Tisch aufkommen. Garnele als Amuse Bouche
Nach einem leckeren Garnelen-Gruß aus der Küche wurden uns drei Vorspeisensalate serviert. Ein Kollege ließ sich den bunten Blattsalat mit gebackenem Ziegenkäse im Speckmantel (16 Euro) schmecken. Knackfrischer Blattsalat mit cremigem Ziegenkäse
Der andere hatte nicht ganz so viel Hunger und beschränkte sich auf einen kleinen Salatteller (6,50 Euro) vorweg. Mich lachte der Feldsalat mit Speck und Croutons (13,50 Euro) von der Empfehlungskarte am meisten an, den ich mit großem Appetit verputzte. Rapunzel in Bestform
Sein fein abgeschmecktes Kartoffeldressing, die knusprigen Buttercroutons und der nicht übertrieben salzige, leicht angebratene Speck verliehen meiner liebsten Salatsorte reichlich Geschmack. In der Ausführung eine absolut stimmige Vorspeise, deren Portionsgröße auch nicht übersättigte. Das war auch gut so, denn ein Klassiker der Kreger’schen Kochkunst wartete als Hauptgang.
Ich hatte mich im Gegensatz zu den beiden Rumpsteak-Rabauken für das gebratene Zanderfilet mit Gemüsejulienne und Tagliolini an Rieslingsauce (31 Euro) entschieden. Eine verdammt gute Wahl wie sich bald herausstellte. Vom Riesling zum Zander (geht auch ohne Fahrrad...)
Die beiden zuvor mehlierten Filetstücke von meinem Neupotzer Lieblingsspeisefisch kamen perfekt gebraten aus der Butterpfanne. Im Zusammenspiel mit dem Gemüse und der formidablen Rieslingsauce („Zum R(h)einknien!“) ein rundum glücklich machender Heimatteller für Leib und Seele. Ein Teller voll Heimat!
Die beiden kollegialen Karnivoren am Tisch taten sich derweil an zwei stattlichen Rumpsteaks (Grain-Fed) mit Kräuterbutter, mediterranem Gemüse und Pommes frites (jeweils 33 Euro) gütlich. Rumpsteak mit Kräuterbutter ("Westwand"-Ansicht)
Die Zartheit des Fleisches, sein leicht buttriger Geschmack und sein perfekter Gargrad („Medium“) wurden in hohem Maße gelobt. Auch die tiefgründige Jus fand großen gustatorischen Anklang. Rumpsteak mit Kräuterbutter ("Ostwand"-Ansicht)
Auf einen Nachtisch mussten wir aufgrund unserer fortgeschrittenen Sättigung leider verzichten. Dafür sind die Portionen im „Lamm“ dann doch zu „pfälzisch“ bemessen. Kulinarische Klasse darf schließlich auch mit einem vernünftigen Maß an Masse (auf dem Teller) einhergehen, ohne gleich ins Übersättigende abzudriften.
Für knapp über 160 Euro bot Manfred Kreger uns dreien eine Hausmannskost auf Top-Niveau. Die hohe Qualität und die handwerklich tadellose Verarbeitung der verwendeten Produkte unterstreichen das hier vorherrschende, äußerst intakte Preis-Genuss-Verhältnis. Der entspannt-herzliche Service und das gediegene Ambiente tragen ebenfalls zum Gästewohl bei.
Für mich persönlich ist das „Neupotzer Lamm“ auch ein Ort kulinarischer Erinnerungen an gutes Essen im Kreise der Familie. Wahrscheinlich hat es mein jugendliches „Fisch-Verständnis“ in gewisser Hinsicht mitgeprägt. Auch ein Grund, warum ich hier immer wieder gerne einkehre. Meine Mutter konnte nämlich nicht nur fantastisch kochen, sie wusste auch, wo es in der näheren Umgebung besonders gut schmeckt…
Zu Beginn des Jahres schlug ich zusammen mit zwei kulinarischen Komplizen bei Familie Kreger im Ortskern von Neupotz auf. Wir drei hatten einfach mal wieder Lust auf die feine Regionalkost, die im Gasthof Zum Lamm seit vielen Jahren verlässlich aufs Porzellan gebracht wird.
Hier findet man noch eine auf guten Produkten basierende Heimatküche vor, die zur Pfälzer Gastlichkeit passt, ohne ihren bodenständigen Charakter zu verbiegen, aber auch mediterrane und asiatische Akzente behutsam miteinbezieht.
Vor 32 Jahren (!) haben Ulrike (Service)... mehr lesen
Gasthaus Zum Lamm
Gasthaus Zum Lamm€-€€€Restaurant, Gasthaus072722809Hauptstraße 7, 76777 Neupotz
4.5 stars -
"Auf den Punkt zubereitete Heimatküche in familiärer Atmosphäre" GourmägglerZu Beginn des Jahres schlug ich zusammen mit zwei kulinarischen Komplizen bei Familie Kreger im Ortskern von Neupotz auf. Wir drei hatten einfach mal wieder Lust auf die feine Regionalkost, die im Gasthof Zum Lamm seit vielen Jahren verlässlich aufs Porzellan gebracht wird.
Hier findet man noch eine auf guten Produkten basierende Heimatküche vor, die zur Pfälzer Gastlichkeit passt, ohne ihren bodenständigen Charakter zu verbiegen, aber auch mediterrane und asiatische Akzente behutsam miteinbezieht.
Vor 32 Jahren (!) haben Ulrike (Service)
Besucht am 02.01.2026Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 75 EUR
Es ereignete sich am zweiten Tag des aktuellen Jahres. Der Winter hatte Bremen eine hübsche Schneedecke verpasst. Und wir waren auf dem Weg in den Stadtteil Schwachhausen, in dem man ganz allgemein viel „stärker“ (im Sinne von besser) wohnt als sein Name eventuell vermuten lässt.
Vom abendlichen Schneetreiben ging es hinein ins gut beleumundete, japanische Nudel- und Sushivergnügen. Einfach mal den "alten Winter" draußen lassen...
Genauer gesagt ins Restaurant Tampopo an der Ecke Metzer Straße / Schwachhauser Heerstraße, in dem ein Vierertisch auf uns sowie meine Schwägerin und ihren Freund wartete. Um das jüngste Familienmitglied kümmerten sich an jenem Abend Oma und Opa.
Über die ansprechende Einrichtung und kulinarische Ausrichtung des Ladens hat mein Bremer Gaumenfreund schon vor einigen Jahren sehr lesenswert berichtet. Die dunklen Wände dienen als schlicht-eleganter Hintergrund für ein stimmungsvoll illuminiertes Ambiente, das bei all seiner zeitgemäß-kühlen Gestaltung noch genügend Raum zum Wohlfühlen lässt. Auch farblich ein Hingucker Lässige Inneneinrichtung
Meine Frau und ich hatten ein wenig Zeit zum Umschauen und Ankommen, da die andere Hälfte unserer Tischgesellschaft etwas verspätet eintraf. Die jungen Leute halt…
Die Getränkepreise passen zur wohlsituierten Schwachhauser Klientel, die das Restaurant seit Jahren brummen lässt. 7,20 Euro für die Flasche Mineralwasser („Vilsa medium“) sind schon ein Wort. Neben einer reichhaltigen, aber keinesfalls überdimensionierten Auswahl an Sushi und diversen Nudelsuppen hält man auch eine Reihe verlockender Asia-Tapas für den kleineren Hunger (oder eben für vorweg) bereit.
Mit vier Personen am Tisch ließ sich da einiges kreuz und quer probieren. Die mit zurückhaltender Schärfe (Japan-Style) versehenen „Spicy Edamame“ (4,90 Euro) stellten einen gelungenen Soja-Snack zum geselligen Fingerfuttern dar.
In Ermangelung des von Borgi angepriesenen Schweinebauchs – das saftig-fette Wintergericht war leider aus dem Vorspeisenkanon verschwunden – orderte ich die Tori Karaage (7,90 Euro), die von einem säuerlichen Soja-Essig-Dip und einer sehr zahmen Wasabi-Mayo begleitet wurden. Knusper-Huhn auf japanische Art
Knusprig, heiß und nicht übertrieben fettig hatten die zweifach ausgebackenen Stücke aus der Hähnchenkeule den Frittiervorgang hinter sich gebracht. Auch der Freund meiner Schwägerin hatte eine Portion dieser „Edel-Chicken-Nuggets“ bestellt und zeigte sich von ihnen begeistert. Zum Teilen vorweg eine durchaus gute Wahl. Ein schmackiger, unkomplizierter Asia-Snack, der noch Platz im Magen ließ für die kommenden Aufgaben.
Da ich dieses liebenswürdige japanische Restaurant nicht verlassen wollte ohne vorher eine der ansprechenden Sushi-Rollen probiert zu haben, baute ich zwischen frittiertem Hähnchenklein und cremig-fettiger Chicken Ramen noch eine King Dragon Roll (16,90 Euro) ein. Sehr zur Verblüffung meiner Frau, die sich mit rein vegetarischen, mit Paprika und Frischkäse gefüllten Maki (4,90 Euro) beschied.
Meine mit Avocado und Knuspergarnele gefüllte, mit flambiertem Aburi-Lachs ummantelte Drachen-Rolle kam leider mit etwas zu viel dekorativem Schnickschnack auf die längliche Platte. Chili-Mayo, Teriyaki-Sauce, roter Tobiko und zerstoßenes Engelshaar (Kadayif) in Ehren, aber sie lenkten von den tadellos zubereiten Meereshappen nur unnötig ab. Too much sauce can kill
Zumal die kurz vor dem Servieren abgeflämmte Lachshaube geschmacklich für sich sprach. Mir hätte da etwas weniger Drumherum besser gefallen, auch wenn die Saucenschärfe und die Knusperfäden mehr geschmackliche und texturelle Vielfalt auf den Teller brachten. Wehe, wenn der gerollte Königsdrache...
Gut, so frugal wie die Paprika-Maki-Portion meiner Frau hätte es vielleicht auch nicht unbedingt sein müssen. Paprika-Maki als Vorspeise
Aber ihr reichten Gari und Wasabi als Beigaben völlig aus, um mit den fischlosen Reisrollen absolut d’accord zu sein. Manchmal ist weniger eben doch mehr…
Gerade wenn noch eine derart gehaltvolle Tantan Ramenbrühe mit knusprigem Hähnchen, wachsweichem Ei, einer Handvoll Nudeln und Gemüse (14,50 Euro) auf einen wartet. Chicken Ramen Tantan - mit allem!
Denn der abgebrühte Bremer Suppenkasper hatte in seinem damaligen Bericht nicht zu viel versprochen.
Der pikant-würzige Hühnersud, mit dem sich die nicht zu weich geratenen Teigwaren zusammen mit feingeschnittenem Gemüse, Sesam und Chili-Öl die Schüssel teilten, geriet fleischlich dicht mit intensiver Umami-Note. Brachiales Brühenbekenntnis!
Da war viel gutes Hühnerfett, das in kleinen Kügelchen auf der Oberfläche glänzte. Die aus Teig oder Gemüse gefertigten Schüsselinsassen ordneten sich brav der mundfüllenden Brühe unter, ohne selbst dabei geschmacklich „baden“ zu gehen.
Von den knusprigen Hühnerklötzen gab ich gerne ein paar ab. „Mutter Karaage“ hatte mir an diesem Abend dann doch ein paar „Kinder“ zu viel beschert…
Auch meine Gattin hatte den Hühnerknochenfond als Basis für ihre Cha Shu Ramen Tantan (14,50 Euro) gewählt. Prinzipiell das gleiche Gericht, nur eben mit aufgeschnittenen Scheiben vom gebratenem bzw. gebackenem Schweinehals als Fleisch-Topping. Tantan Ramensuppe mit Schweinefleisch
Da wurde auch gegenüber kräftig aus dem Vollen gelöffelt.
Die Tonkotsu-Version ließ sich übrigens der Mann zu meiner Rechten schmecken. Tonkotsu-Ramensuppe
Die Schweineschüssel sah auch großartig aus und wäre beim nächsten Besuch ganz oben auf meiner Tampopo-Liste. Vielleicht hat der Bremer Brühen-Bruder ja Lust und Zeit auf eine japanische Nudelsuppe zwischen Weihnachten und Neujahr. Ein „karaagierter“ Mitstreiter aus der Pfalz würde sich freuen…
Es ereignete sich am zweiten Tag des aktuellen Jahres. Der Winter hatte Bremen eine hübsche Schneedecke verpasst. Und wir waren auf dem Weg in den Stadtteil Schwachhausen, in dem man ganz allgemein viel „stärker“ (im Sinne von besser) wohnt als sein Name eventuell vermuten lässt.
Vom abendlichen Schneetreiben ging es hinein ins gut beleumundete, japanische Nudel- und Sushivergnügen.
Genauer gesagt ins Restaurant Tampopo an der Ecke Metzer Straße / Schwachhauser Heerstraße, in dem ein Vierertisch auf uns sowie meine Schwägerin und... mehr lesen
4.0 stars -
"Stimmungsvolles Asia-Lokal, das neben brühwarmem Suppenglück auch solide Rohfischrollen und kleinere Fernköstlichkeiten für uns bereithielt" GourmägglerEs ereignete sich am zweiten Tag des aktuellen Jahres. Der Winter hatte Bremen eine hübsche Schneedecke verpasst. Und wir waren auf dem Weg in den Stadtteil Schwachhausen, in dem man ganz allgemein viel „stärker“ (im Sinne von besser) wohnt als sein Name eventuell vermuten lässt.
Vom abendlichen Schneetreiben ging es hinein ins gut beleumundete, japanische Nudel- und Sushivergnügen.
Genauer gesagt ins Restaurant Tampopo an der Ecke Metzer Straße / Schwachhauser Heerstraße, in dem ein Vierertisch auf uns sowie meine Schwägerin und
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Auf der Fahrt zu unserer ersten Unterkunft, dem Kretschmannshof in Oberasbach-Rehdorf, legten wir einen vom Slowfood-Genussführer nicht unerheblich beeinflussten Halt in der mittelfränkischen Gemeinde Herrieden (südwestlich von Ansbach) ein.
Dort befindet sich im historischen Ortskern das von der Familie Christ betriebene Landhotel Zur Sonne, in dessen Restaurant Küchenchef Claus Christ eine auf frischen Produkten aus der Umgebung – die Lieferanten werden in der Karte explizit beim Namen genannt – basierende Regionalküche mit klarem Fleischbekenntnis auf die Teller bringt.
Seine Frau Sabine kümmert sich derweil auf sehr sympathische Art und Weise um das Wohl ihrer Gäste. Von ihr wurden wir in dem bereits in 5.Generation geführten, im Jahr 1863 eröffneten fränkischen Traditionsgasthof sehr freundlich in Empfang genommen.
Dass hier auch Kinder sehr willkommen sind, war bereits beim Betreten des liebevoll dekorierten Gastraumes klar. Frau Christ hatte es sich vor Ostern nicht nehmen lassen, eine ganze Hasenherde auf den Fenstersimsen, dem nostalgischen Kochofen in Raummitte und den mit Leinen überzogenen Tischen zu verteilen. Für kleine und große Entdecker begann ein witziges Suchspiel…
Wir saßen komfortabel auf einer gut gepolsterten Wandbank. Die Literaturbegeisterung der Inhaber spiegelte sich in einer ganzen Reihe von Büchern wider, die aufgestellt auf einer kleinen Leiste die ringsherum laufende Wandbank verzierten. Wäre ich alleine hier gesessen, hätte ich mir bestimmt John Strelecky’s „Café am Rande der Welt“ geschnappt und wäre auf Lebenssinnsuche gegangen.
So aber durchstöberte ich die zuvor gereichte Speisenkarte und ging auf kulinarische Entdeckungsreise. Unsere Kleine wurde von der Servicechefin mit Buntstiften, Papier und einer „magischen Maltafel“ ausgestattet, während meine Frau und ich neugierig das Speisenprogramm studierten. Bei dem um mediterrane und französische Einflüsse nicht verlegenen Angebot dominierte die fleischliche Kost. Nun ja, man is(s)t hier schließlich in Mittelfranken.
Die 0,7l-Flasche Teinacher Mineralwasser schlug mit fairen 5,90 Euro zu Buche. Die kleine Apfelschorle für das Töchterchen stand später mit 2,40 Euro auf der Rechnung. Mich dürstete es nach einem Schoppen Zirndorfer Kellerbier vom Fass. Ich wollte mich schließlich so schnell wie möglich an die wohlgehopften, „hellen“ Momente Frankens wagen. Und das süffige Zirndorfer sollte mir im Laufe unseres Osterurlaubs noch das ein oder andere Mal ausgeschenkt werden.
Dem Wunsch unserer Kleinen nach Nudeln mit Tomatensoße (4,90 Euro) entsprach die Küche gerne. Claus Christ setzte dazu ein aromatisches, nach Knoblauch duftendes, rotes Sößchen an. Definitiv keine 08-15-Tunke aus der rot-gelben Tüte, sondern ein schmackhafter, in Anbetracht der relativ kurzen Zubereitungszeit absolut stimmiger Tomatensugo, der da die Linguine unserer Tochter veredelte.
Natürlich durfte sie bei der kräftigen Tafelspitzbrühe mit Leberspätzle (6,50 Euro), die ich mir als Vorspeise gönnte, auch mitlöffeln. Jene kam nicht gerade schüchtern portioniert in die stattliche Suppenschüssel. Ein vollmundiger, reiner Fleischgeschmack kennzeichnete die mit ein paar zusätzlichen Gemüsestreifen versehene Brühe, die mit ihrer großzügigen Leberspätzle-Einlage jeden Fleischsaftschlürfer glücklich gemacht hätte.
Gut, dass mir meine Tochter etwas half, denn es wartete ja noch ein Zwiebelrostbraten mit Kroketten (27,80 Euro) als Hauptspeise auf mich. Den dazu gereichten Beilagensalat – ein pfiffig angemachter, knackfrischer Vertreter seiner Art – hatte ich schon vor der Suppe mit Genuss verputzt.
Meine Frau hatte sich für die „kulinarische Ursache“ meiner leckeren Suppe entschieden, was ihr eine tadellose Portion vom gekochten Tafelspitz mit Kartoffeln und frisch geriebenem Meerrettich (17,90 Euro) einbrachte. Die hatte sich noch einen kleinen Salatteller (3,30 Euro) extra dazu bestellt, was ihr in der Summe ganz schön zu schaffen machte, denn auch das Siedefleisch vom Rind kam als handfeste Portion auf den Teller.
Der Küchenchef hatte auch nicht den Fehler gemacht, das mürbe gekochte Fleisch seines Fettdeckels zu berauben, was das Fleisch umso saftiger und geschmackvoller machte, aber bei meiner Gattin nicht ganz so gut ankam. Aber da gehen die Meinungen ja bekanntlich auseinander. Und außerdem ließen sich die fettigen Abschnitte problemlos wegschneiden.
Der Fleischklassiker kam mit etwas Brühe süffig unterfüttert aufs rechteckige Porzellan. Der frische Kren nahm dem Tafelspitz etwas die Schwere, bitzelte angenehm in der Nase und wertete so das Gericht auch sensorisch auf. In der Summe war das grundsolide, aus regionalen Produkten zubereitete Hausmannskost, die nach ehrlichem Küchenhandwerk schmeckte.
Meine mit zarter Schmelzzwiebelhaube servierte, respektable Scheibe vom Roastbeef kam mit ausreichend dunkler Sauce auf den Teller. Rotwein und Rinderfond verliehen der üppig angegossen Tunke ein kräftiges Rückgrat. Sechs Frittierfinger aus Krokettanien lieferten Feingepresstes von der mehligen Kartoffel in krosser Panierung. Solide Beikost aus der Tiefkühltruhe zum Aufsaugen des kulinarischen Saftwerks.
Das nicht zu dick aufgetragene Stück aus des Rindes Rücken fiel unverschämt zart aus. Angeblich kam jenes vom ortsansässigen Metzger, der wie Chefkoch Claus Christ sein Handwerk zu verstehen schien. Ob geschmort oder gebraten kann ich nicht mehr sagen, aber geschmacklich und texturell ließ dieses Prachtstück unterm Zwiebeltoupet keine Wünsche offen.
Gut gestärkt verließen wir dieses fränkische Vorzeigelokal mit der Sonne im Namen und machten danach noch im nahegelegenen Indoorspielplatz „Inplaysia“ (direkt an der A6) halt. Dem Töchterchen war nach Bewegung zumute. Ihre Eltern beschränkten sich dagegen eher aufs Verdauen.
Auf dem Weg ins Fränkische würde ich im Landhotel der Familie Christ jederzeit wieder eine Rast einlegen. Die familienfreundliche Art der Chefin, das überzeugende Preis-Leistungs-Verhältnis und nicht zuletzt die ehrliche, auf künstliche Aromen und Geschmacksverstärker verzichtende Hausmannsküche rechtfertigen eine Wiederholungstat. Vielleicht schon im kommenden Jahr.